VERKEHRSFREUNDE STUTTGART E.V.
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Rundschreiben 11/2017

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Rundschreiben 11/2017
Einladung zur Mitgliederhaup6versammlung am 11.11.2017
Jahresbericht 2016/2017

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23.10.2017

Liebe Verkehrsfreundinnen, liebe Verkehrsfreunde,

ziemlich unbemerkt haben wir am 1. Oktober die Datumsgrenze zum neuen Vereinsjahr 2017/18 bereits überschritten. Die Gedanken des Vorstands sind auch schon weit in den nächsten Zeitraum gerichtet. Drei Veranstaltungen werden gleich nach dieser Einleitung angekündigt. Davon gehört allerdings die erste eigentlich gedanklich – mindestens überwiegend – noch in das verflossene Vereinsjahr:

Ich meine unsere jährliche Mitgliederhauptversammlung, die dieses Jahr am 11.11.2017 stattfindet, bei uns jedoch keine „tollen Tage“ einläuten soll. Humorlos soll es natürlich nicht zugehen, aber unsere Themen sind recht ernsthaft. Zum einen legt der Vorstand inhaltlich und finanziell Rechenschaft ab, zum anderen werfen wir, wie üblich, einen Blick auf das, was unsere Mitglieder im kommenden Vereinsjahr an Veranstaltungen erwarten können. Vor allem aber stehen nach zwei Jahren wieder Vorstandswahlen an. Darüber weiter unten gleich noch etwas mehr.

Mit diesem Rundschreiben erhalten Sie vier farbige Beilagen: Wir haben uns entschlossen, über den bereits im letzten Rundschreiben veröffentlichten Rückblick auf die Tagesfahrt zur Härtsfeld-Museumsbahn am 02.09.2017 hinaus noch einen illustrierten Fahrtbericht anzufertigen, damit auch die, welche nicht dabei sein konnten, einen visuellen Eindruck von diesem schönen Tag bekommen. Auch der Rückblick auf die beiden außergewöhnlichen und stark frequentierten Fahrten auf der Ludwigsburger Industriebahn und durch den Kornwestheimer Rangierbahnhof am 07.10.2017 erscheint gleich in dieser Form.

Außerdem erhalten Sie mit diesem Rundschreiben auch bereits den Ausschreibungsprospekt zur Vor-Eröffnungsfahrt am 02.12.2017 auf der nördlichen Verlängerung der Stadtbahnlinie U12 zwischen Hallschlag, Aubrücke und weiter zur künftigen Endhaltestelle der U12: Remseck. Dank der großzügigen Unterstützung der SSB können wir Ihnen diese Fahrt anbieten. Wir setzen damit eine jahrzehntelange Tradition fort und sind sicher, dass sehr viele von ihnen daran teilnehmen werden.

Schließlich legen wir noch einen Prospekt vom „Roten Flitzer“ mit Fahrten per Schienenbus und Sonderzug zu den schönsten Weihnachtsmärkten bei. Es gibt noch zu ergänzen, dass unsere Mitglieder wie immer 10% Ermäßigung auf den jeweiligen Fahrpreis erhalten!

Ohne der Mitgliederhauptversammlung vorgreifen zu wollen, möchte ich an dieser Stelle und am Beginn eines neuen Vereinsjahres doch sagen, dass aus der Sicht des Vorstands der Verkehrsfreunde Stuttgart 2016/17 ein weiteres erfolgreiches Jahr mit einer erfreulichen Zukunftsperspektive für unsere Vereinigung war: Nicht nur konnten wir mit 205 Gästen, bester Stimmung und einem hochkarätigen Festvortrag im Januar das 70-jährige Bestehen der Verkehrsfreunde feiern, auch das Veranstaltungsprogramm mit 5 Studienfahrten und 8 Vorträgen im Saal (ohne MHV und Jubiläumsfeier) brachte interessante Beiträge und zog insgesamt 1014 Teilnehmer an.

Ganz besonders erfreulich finden wir die seit Jahren wieder steigende Mitgliederzahl. Am 30.09.2017 waren wir 423, was gegenüber dem gleichen Vorjahreszeitpunkt eine Steigerung um 11 Personen bedeutet. Den Grund für diese Entwicklung sehen wir sowohl in der in den letzten Jahren intensivierten Öffentlichkeitsarbeit als auch in der Qualität und Originalität unserer Veranstaltungen. Dass wir aus dem Kreis der Mitglieder immer wieder Lob und Anerkennung erfahren, ist für uns Vorstandsmitglieder neben dieser quantitativen Entwicklung Belohnung und Ansporn gleichermaßen. Die Welt des Schienenverkehrs bietet ein schier unerschöpfliches Betätigungsfeld für alle dafür Begeisterten. Gehen wir also mit Schwung ins neue Vereinsjahr!

 

Die nächsten Veranstaltungen:

11.11.2017    Mitgliederhauptversammlung

Saal der AV Alania, Wächterstr. 11, Stuttgart-Mitte,

SSB-Haltestelle Dobelstraße (Linien U5, U6, U7, U12)

Beginn: 16.00 Uhr, Saalöffnung 15.30 Uhr (nach 16.00 Uhr bitte klingeln)

Die jährlich im November stattfindende Hauptversammlung ist für alle Mitglieder unserer Vereinigung die Gelegenheit, sich über die Arbeit des Vorstands im abgelaufenen Vereinsjahr und die Pläne im nächsten Jahr zu informieren und Fragen und Wünsche mit den Vorstandsmitgliedern zu besprechen. Die Schatzmeisterin berichtet über die Entwicklung unserer Vereinsfinanzen, und darauf aufbauend wird der zukünftige Jahresbeitrag beschlossen.

In diesem Jahr steht zudem die Wahl der Vorstandsmitglieder auf dem Programm, wie jedes Jahr sind auch die beiden Kassenprüfer/innen neu zu bestimmen. Alle Vorstandsmitglieder stellen sich wieder zur Wahl, im Falle des Vorsitzenden allerdings mit einer voraussichtlichen zeitlichen Einschränkung. Der diesbezügliche Vorschlag des amtierenden Vorstands wird in der Sitzung dargestellt und unter Satzungsgesichtspunkten erläutert.

Traditionsgemäß geben unsere beiden zuständigen Vorstandsmitglieder im Anschluss an die satzungsgemäß vorgeschriebene Tagesordnung einen Ausblick auf die mehrtägige Studienfahrt des Jahres 2018 – ein Punkt, der erfahrungsgemäß besonderes Interesse der Teilnehmer findet – ein weiterer Grund, an der Hauptversammlung teilzunehmen und sich darüber aus erster Hand zu informieren!

 

02.12.2017      SSB-Besichtigungsfahrt auf der Neubaustrecke Hallschlag – Aubrücke (– Remseck) der Stadtbahnlinie U12 – Organisation: Bernd Katz

Dank unserer traditionell hervorragenden Beziehung zur Stuttgarter Straßenbahnen AG können wir einmal mehr unseren Mitgliedern und externen Interessenten eine Vor-Eröffnungsfahrt mit fachkundiger Erläuterung und Fotogelegenheiten auf einer neuen Stadtbahnstrecke anbieten. Nachdem wir vor gut vier Jahren (mit 163 Teilnehmern!) die Inbetriebnahme des ersten Teilstücks dieser Linienverlängerung zwischen Löwentor und Hallschlag zum Anlass einer Sonderfahrt genommen haben, können wir jetzt die bautechnisch anspruchsvollere Verlängerung ins Neckartal entsprechend würdigen. Die Ausschreibung liegt diesem Rundschreiben bei.

 

20.01.2018      Impressionen von Bahnfahrten durch die USA,
Teil 2: Neuengland, Wisconsin, Illinois – Bildervortrag von Dr. Peter Hartmann

                        Saal der AV Alania, Wächterstr. 11, Stuttgart-Mitte,

                        SSB-Haltestelle Dobelstraße (Linien U5, U6, U7, U12)

                        Beginn: 16.00 Uhr, Saalöffnung 15.30 Uhr (nach 16.00 Uhr bitte klingeln)

Nachdem der Referent in einem ersten Vortrag im Juli 2017 seine fotografischen Erinnerungen an die amerikanischen Bahnen aus zwei USA-Aufenthalten 1972 und 1980 und von einer mehrwöchigen Rundreise von Boston an die Westküste und zurück nach Denver, Colorado, 2015 vorgestellt hat, berichtet er im zweiten Teil über seine Erfahrungen in weiteren Teilen Neuenglands und in der Region westlich der Großen Seen im Jahre 2016. Neben Streckenaufnahmen im Raum Milwaukee, am oberen Mississippi und im nördlichen Illinois stehen im Mittelpunkt die großen Eisenbahnmuseen in Green Bay, Wisconsin, und Union, Illinois. Letzteres hat einen Schwerpunkt in einer unglaublich umfangreichen Sammlung von Straßenbahnen und „Interurbans“ genannten Überlandstraßenbahnen. Es bewahrt damit das Erbe eines leider untergegangenen Schienenverkehrs-Netzwerks des amerikanischen Mittleren Westens zwischen Chicago und St. Louis und dürfte damit für die Straßenbahnhistoriker unter uns interessant sein. Wie zuvor runden Impressionen der Landschaften und Städte an der Reiseroute das Bild ab, wobei auf deren Beziehung zur Bahn vielfach eingegangen wird.

Rückblick

23.09.2017      Abellio, das neue Eisenbahnverkehrsunternehmen in Baden-Württemberg –
Vortrag von Dr. Andreas Moschinski, Vorsitzender der Geschäftsleitung

Zwischen Juni 2019 und Juni 2020 wird der Betrieb des Regionalbahnnetzes nördlich, südlich und westlich von Stuttgart in drei Stufen von der DB AG auf die Abellio Rail Baden-Württemberg GmbH übergehen. Das ist das Ergebnis des seinerzeitigen Ausschreibungsverfahrens, das sowohl unter den hier tätigen DB-Mitarbeitern wie den Bahnnutzern und nicht zuletzt den Verkehrsfreunden zu einiger Verwirrung, Skepsis und Sorge geführt hat.

Die Abellio ist zwar auch in Deutschland mittlerweile ein etabliertes und anerkanntes Verkehrsunternehmen, im Südwesten aber außerhalb eingeweihter Kreise eher ein „unbeschriebenes Blatt“. Manch einer mag auch mit Unbehagen dem Systemwechsel in gut zwei Jahren entgegensehen und sich fragen: Wird das reibungslos klappen? Wer sind die Verantwortlichen? Wie sieht das Betriebskonzept des neuen Betreibers aus? Mehr noch: Der derzeitige Schwebezustand bei der DB Regio Baden-Württemberg hat bereits zur Abwanderung verunsicherter Mitarbeiter (Lokführer und Zugbegleiter) geführt, so dass Zugausfälle nicht unüblich geworden sind. Man stellt sich natürlich auch die Frage, wie der neue Betreiber mit der Herausforderung der Personalrekrutierung und angemessener Entlohnung angesichts einer hierzulande nahezu erreichten Vollbeschäftigung umzugehen gedenkt.

In dieser Situation wollte der Vorstand der Verkehrsfreunde Stuttgart einen Blick in die Zukunft tun und versuchen, etwas mehr über die Vorstellungen und Pläne des im Aufbau begriffenen neuen Verkehrsunternehmens Abellio Rail Baden-Württemberg GmbH zu erfahren. Wir meinten, dass das für unsere Mitglieder ein aktuelles und interessantes Thema wäre und haben zu unserer Freude durch Vermittlung unseres Ehrenmitgliedes Gerhard Schnaitmann den Geschäftsleitungs-Vorsitzenden, Herrn Dr. Andreas Moschinski, für einen Vortrag über sein Unternehmen und dessen „Geschäftsmodell“ im Saal der AV Alania gewinnen können.

Herr Moschinski hatte seine Ausführungen in fünf Teile gegliedert, deren Inhalt durch projizierte Folien visualisiert wurde. 1. Wer ist Abellio; 2. Abellio Rail Baden-Württemberg; 3. Fahrzeuge für Baden-Württemberg; 4. Werkstatt Pforzheim; 5. Abellio als Arbeitgeber. Für den Verfasser des Rückblicks war aber das eigentlich Besondere und Spannende an diesem Nachmittag nicht so sehr das rein Faktische, das in Teilen ja auch schon bekannt war, sondern das Persönliche und Atmosphärische, sozusagen das, was „zwischen den Zeilen“ vermittelt wurde. Den anderen Teilnehmern dürfte es ähnlich gegangen sein.

Der Referent löste sich immer wieder vom Text, beleuchtete Hintergründe und ging auf die zahlreichen, auch kritischen Fragen aus dem Auditorium offen und mit Verständnis ein. Man gewann den Eindruck, dass die Unternehmensleitung sich der Probleme auf dem neuen Geschäftsfeld bewusst ist und dass sie diese umsichtig und systematisch angeht. Er betonte auch, dass er sein persönliches Verhältnis zu DB Regio Baden-Württemberg, wo er bekanntlich zuvor als Geschäftsführer tätig war, und zu seinen ehemaligen Kollegen als positiv, wenn vielleicht auch nicht als unkompliziert sieht.

So wird man voraussichtlich auch nach dem Betriebsübergang gewisse Einrichtungen von DB Netz, wie Abstell- und Waschanlagen weiter nutzen, um unnötige Doppelstrukturen oder Investitionen zu vermeiden. Mit den anwesenden Verkehrsfreunden war er einig, dass die Gestaltung eines reibungslosen Übergangs 2019/2020 und die Einführungsphase mit neuen Fahrzeugen und neuem Personal eine anspruchsvolle Aufgabe mit manchen Unbekannten darstellt. Seinen Worten nach will man den Kunden, also den Fahrgästen, einen verlässlichen und komfortablen, modernen Service bieten, um möglichst weitere Kreise vom Vorteil des ÖPNV zu überzeugen. Eine gewisse Unsicherheit scheint aber hinsichtlich der Beförderungskapazität der neuen Triebwagen, verglichen mit den derzeitigen und vielleicht auch in Zukunft denkbaren Doppelstock-Zügen oder -Triebwagen zu bestehen. Aber diese Grundsatzentscheidung ist zunächst einmal gefallen, und ob man bei Bedarf angesichts limitierter Bahnsteiglängen und Fahrplantrassen die von ihm erwähnten Taktverdichtungen realisieren kann, scheint zumindest zweifelhaft.

Es ist an dieser Stelle unmöglich, alle Details des Vortrags zu erwähnen. Ich möchte nur einige, mir wichtig und wesentlich erscheinende Punkte hervorheben:

1. Wer ist Abellio?

Unter dem Abellio-Dach sind die Auslandsgesellschaften der staatlichen Niederländischen Eisenbahnen (Nederlandse Spoorwegen / NS) zusammengefasst. Derzeit gibt es 4 britische Gesellschaften (u.a. den Londoner Stadtbusbetrieb) und 3 deutsche (NRW, Mitteldeutschland und Baden-Württemberg). Bemerkenswert ist, dass Abellio mit über 20.000 Beschäftigten und 1,1 Mio. Fahrgästen pro Tag praktisch gleich groß ist wie die Muttergesellschaft. Sie verfügt über 2200 Züge und 1500 Busse. Vermutlich sind die künftigen Leistungen und Fahrzeuge von Abellio Rail Baden-Württemberg darin noch nicht enthalten. Im positiven Image der NS und in deren staatlichem Eigentümer sieht Herr Moschinski einen bedeutenden Bonitätsfaktor für den Geschäftsbetrieb seines Unternehmens.

2. Abellio Rail Baden-Württemberg

Der derzeitige Verwaltungssitz von Abellio Rail Baden-Württember befindet sich in der Stuttgarter Theodor-Heuss-Straße. Wegen der zunehmenden Zahl der Beschäftigten ist für November 2017 ein Umzug in die Presselstraße am Nordbahnhof geplant.

Gestaffelt zwischen Juni 2019 und Juni 2020 wird Abellio in Baden-Württemberg das etwas ungenau mit „Neckartal“ bezeichnete Netz-Los mit den Ästen Stuttgart – Mühlacker – Pforzheim/Bruchsal, Stuttgart – Heilbronn – Mannheim/Osterburken und Stuttgart – Tübingen bedienen. Dieses umfasst 6,8 Mio. Zugkilometer pro Jahr. Hinsichtlich des endgültigen Betriebskonzepts (Fahrplan, Sitzplatzkapazität, Stärken bzw. Schwächen von Zügen) gibt es derzeit offenbar noch Verhandlungen mit dem Land. Grundsätzlich basiert es aber nach Aussage des Referenten auf Durchmesserlinien, und man möchte Kupplungsvorgänge und Rangierbewegungen im – derzeit ohnehin komplizierten – Knoten Stuttgart nach Möglichkeit vermeiden (Lebhafte Zustimmung im Auditorium).

Nachfragen von Teilnehmern und Erläuterungen von Roland Braun brachten an dieser Stelle die Frage der Behandlung seinerzeit direkt (ohne Ausschreibung) vergebener Linien, insbesondere im Karlsruher Modell, zur Sprache. Die „salomonische Lösung“ soll hier so aussehen, dass die Zweisystem-Verkehre (sowohl BOStrab wie EBO) bei der AVG bleiben können, die reinen „Eisenbahn“-Linien aber ausgeschrieben werden müssen (z.B. Eilzüge Heilbronn Hbf – Karlsruhe Hbf). Abellio wird sich wohl auch um diese Ausschreibungen bemühen.

3. Fahrzeuge für Baden-Württemberg

Abellio wird für den in der Ausschreibung gewonnene Verkehr 48 neue drei- und fünfteilige elektrische Triebwagenzüge vom Typ Bombardier Talent 2 im neuen Landesdesign mit einer Höchstgeschwindigkeit von 160 km/h einsetzen, die von anderen EVU bereits bekannt sind und den heute üblichen Anforderungen (Klimatisierung, Barrierefreiheit, WLAN, Fahrgastinformation, Mehrzweckbereiche etc.) entsprechen.

Der Referent erklärte, man arbeite an einem automatisierten Verfahren der Fahrgastinformation, das auch im Störungsfall gut funktioniert. Die Fahrzeuge werden vom Land gekauft und an Abellio vermietet, so dass ökonomisch die Hauptleistung von Abellio im Personaleinsatz, in der Fahrzeugunterhaltung und im dispositiven Bereich liegt. Die ersten Vorserienfahrzeuge sind bei Bombardier Hennigsdorf in der Montage, eine erste betriebliche Testfahrt ist erfolgt. Herr Moschinski räumte ein, dass die bisherigen Erfahrungen mit Bombardier nicht durchweg erfreulich waren (siehe etwa die ET 430!). Der Hersteller war aber offenbar durch das Land vorgegeben. Man sei sich des Problems bewusst und wolle mit der Baubegleitung durch externe Sachverständige die Qualität sicherstellen.

4. Werkstatt Pforzheim

Pforzheim wird der „operative Kern“ des Netzes „Neckartal“. Auf einem 21 Hektar großen, von der AVG gepachteten Grundstück auf dem Gelände des ehemaligen Güterbahnhofs wird für 16 Mio. € eine neue dreigleisige Betriebswerksatt zur Qualitätssicherung des SPNV (so der Wortlaut der entsprechenden Folie) gebaut, in der im Endausbau 50 Personen mit langfristiger Perspektive beschäftigt sein werden. Die Halle soll 120 m lang und 30 m breit werden (Länge eines fünfteiligen Triebwagens 88,4 m). Herr Moschinski zeigte sich zufrieden, dass die Stadt das Vorhaben – nicht zuletzt unter Arbeitsplatz-Aspekten – „wohlwollend“ begleitet und hofft, dass Verzögerungen, z.B. durch ökologischen Alarmismus, gering gehalten werden.

5. Abellio als Arbeitgeber

Den Punkt Personalmanagement formuliert auch die Abellio-Folie als „eine der anspruchsvollsten Aufgaben“. Man möchte das noch zuspitzen und sagen: Damit steht und fällt das reibungslose Funktionieren des zukünftigen Verkehrsangebots, und so nahm die Frage der Personalbeschaffung in quantitativer, zeitlicher und qualitativer Hinsicht recht breiten Raum in der Diskussion mit dem Referenten ein. Aus der Sicht des Verfassers dieser Zeilen ist dies der Abellio Baden-Württemberg bewusst, zumal die Vollbeschäftigungs-Situation im Land und speziell im Mittleren Neckarraum deutlich thematisiert wurde. Man verfolgt die Strategie, einerseits selbst auszubilden, andererseits, wenn möglich, vorhandene Personale zu übernehmen. Die genannte Personalübernahmevereinbarung mit dem „Altbetreiber“ ist aber wohl noch nicht unter Dach und Fach. Natürlich stand die Frage im Raum, warum es trotz dieses vorgesehenen Angebots zu der beklagten Abwanderung von DB-Regio-Zugpersonal kommt. Herr Moschinski deutete an, dass die Information der Betroffenen aus seiner Sicht nicht ausreichend ist und wollte ein entsprechendes Taktieren der DB Regio dabei nicht ausschließen. Er räumte ein, dass auch aus Unternehmenssicht das derzeitige Entgeltniveau speziell für Triebfahrzeugführer unzureichend ist, denn im Vergleich zu anderen Jobs gäbe es eine Reihe belastender Faktoren, wie Schicht- und Feiertagsarbeit und hohe Verantwortung. Erfreulich war zu hören, dass alle Züge mit Zugbegleitern besetzt sein sollen. Bekanntlich ist deren Arbeitsumfeld angesichts zunehmender Sittenverwilderung bei den Fahrgästen auch nicht einfach.

An den gut einstündigen Vortrag, bei dem auch bereits Zwischenfragen der Teilnehmer zur Sprache kamen, schloss sich noch eine ausführliche Fragerunde an. Herr Moschinski nahm offen und recht direkt dazu Stellung, so dass die 70 Teilnehmer sowohl ihre Sicht einbringen wie auch ihr Informationsbedürfnis befriedigen konnten. Zusätzliche Sympathien erntete der Referent sicher auch durch die unprätentiöse und humorvolle Darstellung seines beruflichen Lebenslaufs, der ihn vom gehobenen kommunalen Dienst über das Bürgermeisteramt in Bad Homburg vor der Höhe zu DB Regio und nunmehr zu Abellio Rail Baden-Württemberg führte.

Der Vorsitzende der Verkehrsfreunde dankte ihm zum Ende der Veranstaltung herzlich für die Informationen, die er uns souverän und rhetorisch ansprechend vermittelt hat und dafür, dass er uns am Wochenende einen nicht unbeträchtlichen Teil seiner knapp bemessenen Freizeit geopfert hat. Er wünschte der Abellio die erfolgreiche Bewältigung der skizzierten anspruchsvollen Aufgaben – und uns allen als ÖPNV-Fahrgästen ein gut funktionierendes und attraktives zukünftiges Zugangebot im „Neckartal“ unter neuer Regie!

 

Mitgliederentwicklung

Unsere Mitgliederzahl beträgt zum Geschäftsjahresende am 30.09.2017 bei 5 Todesfällen und 3 Kündigungen: 423 Mitglieder.

Seit 01.10.2016 sind folgende neue Mitglieder unserer Vereinigung beigetreten, die wir herzlich willkommen heißen!

 

Mit den besten Grüßen

Ihr Dr. Peter Hartmann, Vorsitzender

Verkehrsfreunde Stuttgart e.V.

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