VERKEHRSFREUNDE STUTTGART E.V.
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Rückblick von Dr. Peter Hartmann

20.01.2018    Impressionen von Bahnfahrten durch die USA - Teil 2:     Neuengland, Wisconsin, Illinois – Bildervortrag von Dr. Peter Hartmann

Der Vortrag umfasste einschließlich der Titelbilder 211 Fotos und Karten-Reproduktionen und dauerte mit einer Pause etwa 2 3/4 Stunden. Der Referent dankt den 70 Teilnehmern im Saal der AV Alania für ihre Geduld und ihr Interesse, das sich auch in zahlreichen Gesprächen über die Materie in der Pause und nach dem Ende des Vortrags äußerte. Besonders gefreut hat er sich über die auswärtigen Mitglieder, die z.T. längere Wege auf sich genommen haben und möchte stellvertretend für alle unsere Schweizer Freunde Daniel Hofer und Verena Berger erwähnen, die aus Rümlang angereist waren. Großer Dank gebührt einmal mehr Bernd Katz, der das Bildmaterial überarbeitet und für die Projektion vorbereitet hat.

Der Hauptteil des Vortrags war den Landes- und Bahnerfahrungen des Verfassers während seiner USA-Reise im September 2016 gewidmet. Mit 17 Bildern knüpfte er aber zunächst noch an die transkontinentale Rundreise des Vorjahres an, die in Denver in Colorado endete. Die in dieser eindrucksvollen, auf 1600 m ü.d.M. gelegenen Großstadt entstandenen Fotos konnten im Juli 2015 nicht mehr gezeigt werden und bildeten nun den Eingangsteil. Gegenstände waren zum einen die vorbildlich restaurierte Union Station, die zwar nur von einer Amtrak-Fernlinie bedient wird, seit 2016 aber neben den Zügen der Stadtbahn auch S-Bahn-ähnliche Nahverkehrszüge aufweist, und zum anderen die Düwag Stadtbahn-Züge nach dem Vorbild der Frankfurter U2-Triebwagen, die auch die Innenstadt in Ost-West-Richtung durchqueren. Ein Verkehrslinienplan und einige Blicke in die attraktive Fußgängerzone (mit kostenfreiem Shuttle-Bus!), auf das State Capitol und die Skyline bei Tage und bei Nacht rundeten dieses Kapitel ab.

Entsprechend der Reiseroute des Verfassers umfasste der Hauptteil von 2016 einerseits Bilder aus Neuengland und andererseits solche aus den Staaten Wisconsin und Illinois westlich und südlich des Lake Michigan. Ein Schwerpunkte in Neuengland war die Universitätsstadt New Haven (Yale) an der elektrifizierten Amtrak-Hauptstrecke Washington-Boston und der S-Bahn in die New Yorker Grand Central Station sowie der Nahverkehrsstrecke nach Springfield, Massachusetts und einer weiteren Amtrak-Linie durch Connecticut und Massachusetts nach Vermont. Fotos zeigten Acela Schnelltriebwagen nach TGV-Vorbild, Wagenzüge mit neuen Siemens ACS 64 sowie Metro North S-Bahn Triebwagen von Kawasaki für Zweisystembetrieb (Gleich- und Wechselspannung).

Eine fünfstündige Fahrt mit dem Amtrak-Zug „Vermonter“ führte den Connecticut River aufwärts und durch die Green Mountains nach Burlington, VT, am Ostufer des Lake Champlain. In dieser kultivierten hübschen Kleinstadt – mit 42 Tsd. Ew. größter Ort im Staat Vermont – liegt der Betriebsmittelpunkt des Vermont Rail System, das aus den Überresten der einstigen Rutland und Central Vermont Railroads gebildet wurde und einen relativ lebhaften Güterverkehr betreibt. Ein freundlicher Mitarbeiter verhalf dem Verfasser zu einer Reihe von Betriebsaufnahmen im Güterbahnhof und dem als Werkstatt dienenden ehemaligen Rundschuppen der Rutland Railroad. Ein Spaziergang durch das südlich von Burlington gelegene Shelburne Freilichtmuseum hatte als Höhepunkte den hier auf Land liegenden, vorbildlich restaurierten Seitenrad-Dampfer „Ticonderoga“, letzte Erinnerung an eine einst große Dampfschiffsflotte auf dem Lake Champlain, und einen Museumsbahnhof mit einer 2’C Personenzuglok der Central Vermont Railroad und einem privaten Salonwagen vom Ende des 19. Jahrhunderts.

Von Port Kent am Westufer des Sees ging es, z.T. parallel zum historischen Lake-Champlain-Canal, mit dem Amtrak-Zug „Montrealer“ nach Albany, der Hauptstadt des Staates New York und von dort über Nacht mit dem „Lake Shore Limited“ nach Chicago und weiter nach Milwaukee. Dem dort wohnenden Freund und Milwaukee-Road-Enthusiasten Richard Melzer verdankt der Verfasser eine Reihe fotografisch ergiebiger Ausflüge zu interessanten Bahnmuseen und populären Fotostellen, hauptsächlich an den Strecken der Canadian Pacific (ex Milwaukee Road), der Burlington Northern Santa Fe (BNSF) und der Union Pacific (UP, hier ex Chicago & Northwestern). Ausführlich wurden die Exponate des National Railroad Museum in Green Bay, Wisconsin, und des Illinois Railway Museum (IRM) in Union, Illinois, vorgestellt und erläutert.

Ersteres beherbergt u.a. eine (2’D)‘ (D2‘) „Big Boy“ der UP, eine 2’C C2‘ Ellok Reihe GG1 der Pennsylvania Railroad und die stromlinienverkleidete 2’C1‘ „Dwight D. Eisenhower“, Reihe A4 der ehemaligen London & North Eastern (LNE), mit Repliken von Wagen aus Eisenhowers Befehlszug in Großbritannien. Reisezugwagen verschiedener Generationen und eine Reihe von Dampfloks verschiedener Gesellschaften und Bauepochen vervollständigen die eindrucksvolle Sammlung. Das IRM wiederum ist mit über 400 Original-Exponaten eigenen Angaben zufolge das größte Eisenbahnmuseum in den USA.

Es ist aus einer 1953 begonnenen Sammlung von Straßenbahnfahrzeugen hervorgegangen, was auch noch denheutigen Sammlungsschwerpunkt bestimmt. Die Bandbreite der Exponate reicht aber heute von (wenigen) Dampflokomotiven und vielen Dieselloks der 1950’er bis 1980’er Jahre, über unzählige Reisezugwagen (einschließlich der BNSF „Nebraska Zephyr“-Garnitur von 1936) bis zu Fahrzeugen der Chicago-Hochbahn, vieler ehemaliger Interurban Gesellschaften und zu unzähligen Straßenbahnfahrzeugen, hauptsächlich aus den Staaten Illinois, Wisconsin, Iowa, Indiana und Michigan. Eine elektrifizierte eigene Demonstrationsstrecke von über 7 km Länge erlaubt die Vorführung und Benutzung vieler Fahrzeuge im Betrieb. Inwieweit es dem Referenten geglückt ist, diese ungeheure Fülle und Vielfalt in angemessener und verständlicher Form im begrenzten Rahmen des Vortrags zu präsentieren, muss er dem Urteil des Publikums überlassen. 70 Bilder waren diesem Thema gewidmet.

An drei, weit voneinander entfernten Stellen hatte der Verfasser Gelegenheit, den heutigen Güterzug-Planbetrieb zu beobachten und zu fotografieren: Zum einen bei Peewaukee westlich von Milwaukee, zum anderen an der ebenengleichen Kreuzung („Diamond“) zweier UP- und BNSF-Magistralen in Rochelle, Illionois und schließlich am Oberlauf des Mississippi und damit der Grenze zwischen Wisconsin und Iowa im Raum Prairie du Chien.

Die Entwicklung der Diesellokomotive zwischen Kriegsende und Gegenwart hat allerdings in den USA zu einer starken Uniformität sowohl der Technik wie der äußeren Erscheinung der Triebfahrzeuge geführt, und der jeweilige Hersteller und Typ sind oft nur anhand der Fahrzeugnummern zu entschlüsseln. Anderes als in Europa gibt es keine Baureihenbezeichnungen der Verwaltungen, sondern nur die Produkt-Kürzel der Hersteller (heute im Wesentlichen GE und EMD).

Eindrucksvoll ist für Europäer immer wieder die Länge der Güterzüge (2 km und mehr sind nicht ungewöhnlich) sowie das höhere Lichtraumprofil, das auf vielen Strecken (nicht allen!) zweistöckigen Container-Transport ermöglicht. Die Streckenaufnahmen zeigten oft 2, 3 oder 4 Loks (heute durchweg 4400 PS stark) an der Spitze und dem Schluss der Züge. Der einzige Reisezug, der allerdings mehrfach ins Bild kam, war der Amtrak Transkontinental-Zug „Empire Builder“ (Chicago – Seattle/Portland v.v.). Zweimal führte er zu den üblichen „Superliner“ Doppelstockwagen am Schluss auch mehrere private Wagen, darunter Lounge-Observation Cars der ehemaligen Southern Railroad und der Milwaukee Road (die legendäre Skytop Lounge von 1948).

Vielleicht ist es dem Referenten ja gelungen, seine Faszination durch diese, für uns oft exotischen Details ein Stück weit auf das Auditorium zu übertragen. Dann hätte der Vortrag seinen Zweck erreicht!

Verkehrsfreunde Stuttgart e.V.

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