VERKEHRSFREUNDE STUTTGART E.V.
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03. bis 07.08.2017 Studienfahrt zu den Appenzeller Bahnen, der Trogenerbahn, der Rorschach-Heidenbahn, der Bergbahn Rheineck-Walzenhausen und der Rheinregulierungsbahn

Rückblick von Dr. Peter Hartmann

Wenige Tage nach Beendigung unserer Studienfahrt zu den Appenzeller Bahnen habe ich mich entschlossen, nur einen eher kompakten Rückblick auf unsere am Donnerstag, 03.08.2017, begonnene und am Montag, 07.08.2017, zu Ende gegangene fünftägige Studienfahrt nach St. Gallen und zu den Appenzeller Bahnen zu werfen und Ihnen den auch dieses Mal vorgesehenen illustrierten Fahrtbericht in wirklich überschaubarem Zeitraum anzukündigen. Das Programm dieser Fahrtveranstaltung wurde im Wesentlichen von Helmut Iffländer ausgearbeitet und vor Ort realisiert; ohne die intensive Mitarbeit von Roland Braun für den organisatorischen und Dagny Jung für den finanziellen Teil hätte diese in ihrer Art perfekte Exkursion aber nicht erfolgreich durchgeführt werden können. Ihnen allen gilt mein herzlicher Dank und ein gehöriges Stück Bewunderung.

Auftakt war nach der Überquerung des Bodensees von Friedrichshafen nach Romanshorn der Besuch des dortigen Eisenbahnmuseums „Locorama“. Anschließend ging es im historischen Triebwagen Nr. 43 der Bodensee-Toggenburg-Bahn auf Foto-Sonderfahrt von Romanshorn nach St. Gallen.

Der Anlass für den Besuch der Appenzeller Bahnen in diesem Sommer war bekanntlich deren derzeit laufendes großes Bau- und Beschaffungsvorhaben: Um die Bedienung der bestehenden Teilstrecken in und um St. Gallen zu verbessern und einen rationelleren Betrieb zu ermöglichen, wird die Zahnradstrecke an der Ruckhalde oberhalb des Bahnhofs St. Gallen durch einen 700 m langen S-förmigen Tunnel mit einer maximalen Steigung von 80‰ ersetzt. Zugleich werden die bisher getrennten Linien nach Gais Appenzell und nach Trogen zu einer Durchmesserlinie verbunden. In einem sehr instruktiven Vortrag und durch eine geführte Baustellenbesichtigung konnten wir uns am Freitag mit diesem zeitlich sehr ehrgeizigen Projekt (erste Phase bis Ende 2018) und den weiteren Planungen vertraut machen. Zugleich konnten wir die heute noch bestehende Linie befahren und den traditionellen Betrieb fotografieren.

Alternativ gab es eine Stadtführung durch St. Gallen mit seiner berühmten Stiftskirche und- Stiftsbibliothek. Die zweite Hälfte dieses Tages war dann eher nostalgisch geprägt: Mit dem Triebwagen der St. Gallen-Gais-Appenzell-Altstätten-Bahn (SGA) Nr. 5 von 1930 und zwei zweiachsigen Beiwagen aus der Dampfzeit gab es Fahrten und kaum glaubliche Fotoszenen zwischen Teufen, Gais und Appenzell. Dass auf der anschließenden Fahrt mit einem Planzug über die 160‰-Steilstrecke nach Altstätten und zurück eine Motorstörung auftrat und einige Teilnehmer schon einen Fußmarsch bergauf befürchteten, bescherte uns einen gewissen Nervenkitzel und verdeutlichte sehr plastisch die Notwendigkeit der unabhängigen Bremssysteme auf derartigen Rampen.

Der Samstag stand dann im Zeichen der „anderen“ Appenzeller Hauptlinie nämlich der eigentlichen „Appenzeller Bahnen“ (AB): Gossau – Herisau – Appenzell – Wasserauen. „Star“ dieses Tages war der historische Dieseltriebwagen 56 aus dem Jahre 1928, über den man allein einen ganzen Artikel schreiben könnte. An dieser Stelle sei nur die Hochachtung für diejenigen geäußert, die dieses hochinteressante und technikgeschichtliche Monument fahrfähig erhalten haben und für Helmut Iffländer, der zusammen mit den Bahnverantwortlichen einen durchführbaren Fahrplan innerhalb des modernen Taktverkehrs ausgetüftelt hat. Für viele war der Höhepunkt dieser Fahrt die Fotoaktion an der U-Schleife beim Bahnhof Urnäsch mit Sonderzug und kreuzenden Planzügen in der Kurve und auf der Rampe.

Nicht weniger spektakulär war dann die Fahrt mit der sehr steilen Luftseilbahn von Wasserauen auf die Ebenalp, von der man an diesem sonnigen Tag Panoramablicke auf die Appenzeller Bergwelt und bis zum Bodensee genießen konnte. In dem von dem Verein Historische Appenzeller Bahnen geführten Museum am Bahnhof Wasserauen war dessen bedeutender Bestand an historischen Fahrzeugen zu besichtigen, unter denen der Triebwagen CFe 3/3 Nr. 2 der ehemaligen Gais-Altstätten-Bahn herausragt. Mit dem Projekt einer Restaurierung von dessen Zahnradantrieb hat sich der Verein ein mehr als ambitioniertes Ziel gesetzt. Die Rückfahrt nach Appenzell und Herisau mit dem Triebwagen BCe 4/4 Nr. 30 von 1933 und Beiwagen mit wiederum zahlreichen Fotohalten rundete diesen erlebnisreichen Tag ab.

Am Sonntag ging es etwas entspannter und individueller zu: Hauptprogrammpunkt war die Fahrt mit dem historischen Lok-Wagen-Zug auf der normalspurigen, mit Riggenbach-Zahnstange ausgerüsteten Rorschach-Heiden-Bergbahn. Hier gab es nicht nur interessante Ausweichmanöver und eine extra für uns eingelegte kurze (Foto-) Sonderfahrt talwärts von Heiden, sondern schöne Blicke auf den Bodensee und die malerisch um Heiden verstreuten Bergdörfer. Am Mittag verteilten sich die Verkehrsfreunde nach Gusto auf verschiedene andere Ziele und Strecken (Zahnradbahn Rheineck – Walzenhausen, Bummel durch Heiden oder Busfahrt nach Trogen). Bezeichnenderweise scheinen sich in Trogen und entlang der Bahn von dort nach St. Gallen so ziemlich alle Verkehrsfreunde wieder getroffen zu haben. Die Tageskarten machten ein abwechslungsreiches eigenes Fahrtprogramm problemlos möglich. Dass Trogen als früherer Hauptort von Appenzell Außerroden und Sitz des Zellweger‘schen Textilhandels-Imperiums eine intensivere Erkundung verdient, sei hier nur angemerkt.

Eine Fahrt auf der Internationalen Rheinregulierungsbahn flussauf- und flussabwärts vom österreichischen Lustenau aus war schließlich am Montag die letzte Attraktion dieser vorzüglich vorbereiteten, mit bahntechnischen Leckerbissen reichlich ausgestatteten und in bester Stimmung abgelaufenen Studienfahrt ins Land der „Verkehrsfreunde-Sehnsucht“. Hier kamen nun die Freunde der kleinen Bahnen besonders auf ihre Kosten: Eine zweiachsige Jung-Dampflok von 1910 und die 1946 gebaute Stadler/BBC-Lok „Heidi“, eine Elektrolok mit Stromversorgung über Stangenstromabnehmer oder Dieselgenerator, führten nacheinander den Personenzug mit seinen Eigenbau-Zweiachsern. Mitglieder des Vereins, der die Museumsbahn betreibt, versorgten uns freundlich zwischendurch im Museum Lustenau bei einer „Rhein-Schauen-Grillparty“. Nur kurz bestand die Gelegenheit zu einem Besuch des Museums Rhein-Schauen, in dem ausführlich der Alpenrhein zwischen Reichenau und Bodensee und die internationale Rheinregulierung vorgestellt wird.

Dass der ÖBB-Schienenersatzverkehr zwischen St. Margarethen, Lustenau und Begrenz mangels ausreichender Kapazität der Hälfte der Fahrgäste Stehplätze zumutete, war der einzige Wermutstropfen an diesem Rückreisetag. Ansonsten liefen die Fahrten von Bregenz nach Lindau, von dort nach Ulm und – in getrennten Zügen (!) – von Ulm nach Stuttgart ungewohnt perfekt und pünktlich. Ebenso ist der reibungslose Gepäcktransport auf der Straße zu loben!

Unser Dank gilt den Organisatoren und der Reiseleitung seitens der Verkehrsfreunde, aber auch den entgegenkommenden und kooperativen Mitarbeitern der beteiligten Verkehrsunternehmen und Vereine. Zumindest aus der Froschperspektive des Verfassers als Fahrtteilnehmer konnte es nicht besser sein – „ja, es durfte vielleicht nicht besser sein [Thomas Mann]“.

Verkehrsfreunde Stuttgart e.V.

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