VERKEHRSFREUNDE STUTTGART E.V.
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02.12.2017   Mit der neuen U12 vom Hallschlag nach Remseck – Besichtigungsfahrt mit dem neuen Stadtbahnwagen S-DT8.14 Organisation: Bernd Katz

Rückblick von Rüdiger Frey

Aller guten Dinge sind drei. Unter dieses Motto könnte man die dritte Besichtigungsfahrt auf der U12 nach 2013 zum Hallschlag und 2016 nach Dürrlewang stellen. Die Inbetriebnahme der gesamten U12 steht kurz bevor. Mit 24,4 km Streckenlänge verteidigt sie nach der Stadtbahnlinie U6 (26,2 km) und der U7 (24,5 km) den dritten Platz unter den Stuttgarter Stadtbahnlinien. Sie verbindet das am südlichen Stadtrand gelegenen Dürrlewang über die Innenstadt und das neue Europaviertel mit den im nördlichen Teil Stuttgarts liegenden Neckarvororten und die Stadt Remseck.

Die bevorstehende Inbetriebnahme war natürlich ein Grund, dass die Verkehrsfreunde Stuttgart e.V. ihre obligatorische Voreröffnungsfahrt durchführten. Die Anmeldungen von 165 Teilnehmern (Zahlenmäßig nahezu gleich mit unserer ersten Besichtigungsfahrt der U12 2013) trafen bis kurz vor Abfahrt unseres Sonderzuges ein. Diese überwältigende Teilnehmerzahl machte den Einsatz einer Doppeltraktion notwendig.

Schon in Möhringen Bahnhof bestiegen die ersten Verkehrsfreunde den Sonderzug, welcher aus den Fahrzeugen 3555/3556 und 3557/3558 von Stadler bestand. Sie gehören als DT8.14 zur nun 14. Bauserie, welche sich gerade in Auslieferung befindet und sind fahrzeugtechnisch nahezu identisch mit der 12. Bauserie. Eine 13. Serie gibt es aus naheliegenden Gründen übrigens nicht. In flotter Fahrt ging es hinter dem Planzug der U12 über Degerloch in Richtung Innenstadt.

An der Haltestelle „Hauptbahnhof (Arnulf-Klett-Platz)“ bestieg nun der Großteil der Fahrtteilnehmer den Sonderzug. Wegen des befürchteten Andrangs und der Unübersichtlichkeit beschloss man, nicht alle Türen zu öffnen. Trotzdem gelang der Zustieg über nur je zwei Türen pro Fahrzeugeinheit in kürzester Zeit und ohne „blinde Passagiere“ konnte die Fahrt fortgesetzt werden. Während der Fahrt durch den neuen Tunnel zur Haltestelle „Stadtbibliothek“ war der zukünftige Abzweig der U12 zum Europaviertel zu erkennen. Unsere Fahrt ging weiter durch die Friedhofstraße und war damit auch gleichzeitig eine Abschiedsfahrt für diesen Streckenabschnitt. Dieser ging wenige Stunden nach unserer Fahrt außer Betrieb. Aufgrund unserer Doppeltraktion und dem deshalb zu kurzen Bahnsteig war hier kein Halt möglich.

Die Strecke durch die Friedhofstraße zum Haupteingang des Pragfriedhofes gehörte zur ersten meterspurigen Pferdebahnstrecke in Stuttgart. Als sogenannte „Praglinie“ wurde am 24. August 1886 der Pferdebahnbetrieb von der damals „Neuen Stuttgarter Straßenbahngesellschaft (NSS)“ zwischen Rotebühl-/Schwabstraße und Pragfriedhof aufgenommen. Somit ging hier nach über 131 Jahren der Schienenverkehr zu Ende. An der Kreuzung zur Nordbahnhofstraße konnten die Bauarbeiten zum Anschluss der Neubaustrecke wie auch diese selbst vom Budapester Platz kommend kurz betrachtet werden. Über die Nordbahnhofstraße ging es nun weiter Richtung Hallschlag. Da vor der derzeitigen Endhaltestelle noch ein eingleisiger Abschnitt vorhanden ist, der erst jetzt mit dem Anschluss der Neubaustrecke ins Neckartal beseitigt wird, gab es noch einen kurzen Fotohalt an der Haltestelle „Riethmüllerhaus“, um den Gegenzug in diesem Abschnitt passieren zu lassen.

An der Haltestelle „Hallschlag“ musste nochmals ein kurzer Halt eingelegt werden, war doch Baumaterial auf und zwischen den Gleisen abgeladen worden. Dieses war zwar ordnungsgemäß gesichert, störte jedoch unsere Weiterfahrt. Dies war jedoch schnell beseitigt und die Befahrung der 1,1 km langen Neubaustrecke konnte beginnen. Schön konnte man den bis zu 7% geneigten und 50 Höhenmeter überwindenden Streckenverlauf ins Neckartal beobachten. An der neuen Haltestelle „Bottroper Straße“ wurde erneut ein Besichtigungshalt eingelegt. Diese ist architektonisch recht auffallend gestaltet. Auch ziert eine große Sonnenuhr die Station, deren Funktionsfähigkeit wetterbedingt jedoch nicht überprüft werden konnte.

Nun folgte der fast 500 m lange Tunnel unter der Schusterbahn, der Güterumgehungsbahn Stuttgart Untertürkheim – Kornwestheim, welcher kurz vor der Aubrücke endet, wo die Neubaustrecke in die Bestandsstrecke der U14 aus Richtung Stuttgart-Münster mündet. Nach Überquerung des Neckars war der Stadtteil Hofen erreicht. An der Haltestelle „Wagrainäcker“ war ebenfalls ein kurzer Fotohalt möglich, wie auch an der Haltestelle „Mühlhausen“. Hier wurde die Haltestelle mit einem dritten Wendegleis versehen, da die Linie U14 hier zukünftig wieder ihren Endpunkt haben wird.

Nun ging es in flotter Fahrt entlang des Neckars weiter zur zukünftigen Endhaltestelle der U12 in Remseck-Neckargröningen. Auch hier konnte die eine oder andere Szene auf den Chip gebannt werden, besonders als der Linienzug der U14 auf dem Nachbargleis eintraf. Kurz nach dessen Abfahrt begann auch unsere Rückfahrt zunächst bis zum Betriebshof, welcher sich auf Aldinger Gemarkung befindet. Hier war wieder eine kurze Pause eingeplant, und so konnte mancher seinen Bedürfnissen nachgehen oder auch den hier als Denkmal abgestellten GT4 Triebwagen 638 anschauen, welcher natürlich hier nie beheimatet war.

Nachdem wir den Betriebshof verlassen hatten, begann unsere Rückfahrt im Linienverlauf der U14. Vorbei an Mühlhausen, Hofen, dem May-Eyth-See, Münster, dem gleichnamigen Kraftwerk und den bekannten Travertinsäulen, erreichten wir die Haltestelle „Wilhelma“. Hier konnten die regen Bautätigkeiten für den Straßentunnel der B10 unter dem Rosensteinpark wie auch für Stuttgart 21 beobachtet werden. Anschließend stand noch die Befahrung des wieder neu aufgebauten Verbindungsgleises zur Haltestelle „Mercedesstraße“ auf dem Programm. Von hier befuhren wir dann die Strecke zum NeckarPark (Stadion). Nach einer kurzen Wendepause ging es schließlich auf regulärem Linienweg zurück zum Hauptbahnhof. Der befahrene Abzweig von der Haltestelle „Staatsgalerie“ Richtung „Hauptbahnhof (Arnulf-Klett-Platz)“ ist mit erscheinen dieses Rundschreibens bereits historisch. Es wird baustellenbedingt für einige Zeit stillgelegt, damit die neue Haltestelle „Staatsgalerie“ angeschlossen werden kann!

Nun war es Zeit, von einer kurzweiligen und interessanten Besichtigungsfahrt Abschied zu nehmen. Unseren Dank gilt Thomas Moser, Winfried Reichle, Markus Zwick, Sebastian Lucke, Roland Jauß und allen anderen beteiligten Mitarbeitern der SSB. Natürlich geht unser Dank auch an den Stadtbahnfahrer Knud-Axel Noack, welcher uns sicher und gekonnt durch Stuttgart führte. Und schließlich: Ohne das Engagement von Bernd Katz und seine aufwendige planerische Abstimmarbeit mit den betroffenen SSB-Stellen im Vorfeld hätte die Sonderfahrt in dieser gelungenen Form gar nicht stattfinden können!

Verkehrsfreunde Stuttgart e.V.

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