VERKEHRSFREUNDE STUTTGART E.V.
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19.07.2014   Bahnenvielfalt in Baden – Über den Schwarzwald zur SWEG an den Kaiserstuhl und zur ersten elektrischen SWEG-Strecke ins Münstertal

Das erste Fahrzeug in Landesfarben: ein RegioShuttle der SWEG finanziert vom Land Baden-Würrtemberg - Aufnahme: Rainer Vogler

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19.07.2014 Bahnenvielfalt in Baden – Über den Schwarzwald zur SWEG an den Kaiserstuhl und zur ersten elektrischen SWEG-Strecke ins Münstertal - Organisation: Gerhard Schnaitmann

Einfahrt in Gottenheim: zwei RegioShuttle der Breisgau-S-Bahn auz dem Weg nach Breisach . Aufnahme: Rüdiger Frey
RegioShuttle der Breisgau-Sbahn und der SWEG in Breisach - Aufnahme: Rüdiger Frey
Erste elektrisch betriebene Strecke der SWEG von Bad Krozingen nach Münstertal. Talent 2 von Bombardier in Münstertal: Aufnahme: Rüdiger Frey

Rückblick von Rüdiger Frey

Unsere Verkehrsfreunde-Exkursion am 19. Juli 2014 war von mehreren Superlativen gekennzeichnet. So war dieser Tag der wohl bis dato wärmste Tag des Jahres 2014. Eine Fahrt mit 15 verschiedenen Zügen an einem Tag stellt auch für einen Verkehrsfreund eine beachtliche Leistung dar. Mehr Eisenbahn im Ländle geht wohl kaum. So hatten sich am Morgen auch 50 Teilnehmer an Gleis 5 im Stuttgarter Hauptbahnhof versammelt.

Mit RE 19035 ging es nun pünktlich über die Gäubahn in Richtung Eutingen. Unser Organisator und Ehrenmitglied Gerhard Schnaitmann versorgte uns zusammen mit seinem Sohn Jörg bereits in Stuttgart mit reichlich Kaffee, belegten Brötchen, Kuchen und Mineralwasser auf unseren eigens reservierten Plätzen. Schon nach 44 Minuten Fahrtzeit war Eutingen im Gäu erreicht und der erste Umstieg vorgesehen. Wie konnte es auch anders sein, als dass der zweite Wagen der AVG Stadtbahn nach Karlsruhe für uns mit Handzetteln auf den Sitzen reserviert war.

Die nun folgende Strecke nach Freudenstadt stand schon öfters im Mittelpunkt einer Verkehrsfreunde-Sonderfahrt. Erst 1933 wurde der Bahnhof Eutingen an die jetzige Stelle verlegt. Seither können die Züge über die damals neu erbaute Verbindungsstrecke ohne Fahrtrichtungswechsel von Stuttgart nach Freudenstadt verkehren. Die 2006 erfolgte Elektrifizierung geht noch auf die Initiative des damaligen Direktors der AVG, unseres Ehrenmitglieds Dr. Dieter Ludwig zurück, der zur Sicherstellung der Stromversorgung der oberen Murgtalbahn kurzerhand eine Oberleitung von Eutingen nach Freudenstadt plante.

Nach der Fahrt über die bekannten drei Freudenstädter Viadukte erreichten wir den Hauptbahnhof der Schwarzwaldstadt, welche unter Herzog Friedrich I., Herzog von Württemberg, 1599 als Residenzstadt erbaut wurde und noch immer den größten bebauten Marktplatz Deutschlands besitzt. In Freudenstadt musste nun der Umstieg in zwei Minuten bewerkstelligt werden. Auch hier hatte die Ortenau S-Bahn (OSB) für uns eigens einen dritten Regio-Shuttle beigestellt, um uns über den sogenannten Freudenstädter Stern ins Kinzigtal zu bringen. In Schiltach konnten wir die frisch restaurierte Schienenbusgarnitur bewundern, die an die bereits 1959 stillgelegte Strecke nach Schramberg erinnern soll.

Ab Hausach konnten dann unsere drei RS1 auf der Schwarzwaldbahn zeigen, was sie konnten. In Biberach (Baden) begegneten wir einem RS1 der Prignitzer Eisenbahn, welcher auf der ebenfalls zur SWEG gehörenden, 10,6 km langen, Harmersbachtalbahn den Anschluss nach Oberharmersbach-Riersbach herstellt.

In Offenburg mussten wir wieder das Fahrzeug wechseln. Nun legten wir die nächsten 30 Minuten in einem reservierten Doppelstockwagen des RE 26515 bis Riegel-Malterdingen auf der hochfrequentierten Rheintalbahn zurück. Hier begrüße uns der Betriebsleiter des SWEG Verkehrsbetriebes Breisgau – Kaiserstuhl, Norbert Lange, in einer eigens für die Verkehrsfreunde von Riegel-Marterdingen nach Endingen gefahrenen Sonderleistung. Aber auch das Fahrzeug war sicher nicht Zufall. Bis Endingen bzw. Königschaffhausen wurden wir im VT 501 befördert, der vor wenigen Monaten mit der neuen Lackierung für mit Landesmitteln zu beschaffende Fahrzeuge versehen wurde.

In Endingen, dem Betriebsmittelpunkt der Kaiserstuhlbahn, teilten sich die Verkehrsfreunde in zwei Gruppen auf: Die eine Gruppe besichtigte unter fachkundiger Leitung von Nobert Lange die Wartungsanlagen, die bei der geplanten Elektrifizierung der Kaiserstuhlbahn sicher noch große Veränderung erfahren werden.

Hierfür möchten wir uns an dieser Stelle auch nochmals bei ihm und seinen Mitarbeitern herzlich dafür bedanken, dass sie an einem Samstag für uns so viel Zeit geopfert haben. Auch konnten die noch wenigen vorhandenen NE 81-Garnituren fotografiert werden, die hier ihre Wochenendruhe einlegen. Dazwischen verkehrte der uns bekannte Rebenbummler (einige Verkehrsfreunde konnten sich noch gut an unsere Sonderfahrt im Oktober 1986 erinnern), der seine (halbe) Runde um den Kaiserstuhl drehte. Leider musste er aktuell mit einer SWEG-Diesellok bespannt werden. Wie zu hören war, soll die bekannte Dampflok 384 ab kommendem Jahr wieder in Betrieb sein.

Die zweite Gruppe fuhr weiter nach Königschaffhausen, um nach einem kurzweiligen Spaziergang durch den Ort im Gasthaus „Ochsen“ die Mittagspause einzulegen, bei der auch Kaiserstühler Wein verkostet wurde. Um 13:38 Uhr vereinten sich nun die beiden Gruppen wieder und die Fahrt ging auf der Kaiserstuhlbahn mit dem nun schon bekannten VT 501 weiter.

Die nun folgenden Bahnhöfe bis Breisach könnten einer Weinkarte entnommen sein. Soweit das Auge reichte, waren Rebstöcke zu sehen. An den Weinbergterrassen vorbei führte der Weg zum Rhein. In Breisach war der Umstieg in die Breisgau-S-Bahn (BSB) vorgesehen, die ihr Netz ebenfalls mit Fahrzeugen des Typs RS1 befährt. So konnten in Breisach auch beide Lackierungsvarianten nebeneinander aufgenommen werden. Auch die BSB ist, wie die schon am Morgen befahrene Ortenau S-Bahn, ein Tochterunternehmen der SWEG. In Gottenheim trennten sich nun wieder für kurze Zeit die Wege der Verkehrsfreunde. Während die eine Gruppe noch einen Teil der Kaiserstuhlbahn bis Eichstetten und zurück befuhr, um den Ring um den Kaiserstuhl fast komplett zu haben, fotografierte der andere Teil das Geschehen in Gottenheim. 30 Minuten später und wieder vereint ging es nun auf dem Teilstück nach Freiburg weiter. Hier konnte man leicht verstehen, warum die Breisgau S-Bahn an ihre Kapazitätsgrenzen stößt. Trotz dem zeitweisen Einsatz von fünfteiligen RS1-Zügen, reicht selbst hier während den Stoßzeiten kaum die Fahrzeugkapazität.

In Freiburg ging es wieder mit einem Doppelstockzug der DB weiter. Sein Zielbahnhof Schliengen unweit von Müllheim (Baden) ist der aktuellen Streckensperrung bei Rheinweiler geschuldet. Der Fern- und Güterverkehr benutzt zurzeit ausschließlich den neu erbauten Katzenbergtunnel. Die „roten Züge“ der Bahn können jedoch wegen fehlender Notbremsüberbrückung diesen Tunnelabschnitt nicht befahren. Daher wurde vorübergehend der verbleibende Regionalverkehr nach Basel auf Bus oder den Fernverkehr verlagert. In Bad Krozingen war nun wieder ein Fahrzeugwechsel vorgesehen. Trotz eines kurzen Betriebshaltes vor dem eigentlichen Bahnhof erreichten wir noch bequem unseren nächsten Zug.

Etwas ungewohnt sah er schon aus: Ein sogenannter TALENT 2 in SWEG-Farben. Das Akronym TALENT steht für „Talbot leichter Nahverkehrs-Triebwagen“. Während der von Dieselmotoren angetriebene TALENT 1 noch tatsächlich von dem Aachener Traditionsunternehmen stammte, werden diese rein elektrischen Triebwagen von Bombardier gebaut.

Die von der Firma Vering & Waechter 1916 erbaute Strecke Bad Krozingen – Münstertal wurde bis 1962/63 von der Deutsche Eisenbahn-Betriebs-Gesellschaft AG (DEBG) betrieben. Nach finanziellen Schwierigkeiten gründete das Land Baden-Württemberg eigens für zehn zu übernehmende Strecken die Südwestdeutsche Verkehrs-Aktiengesellschaft (SWEG). 1971 fusionierte dann die SWEG mit der Mittelbadischen Eisenbahn, deren Stammnetz ursprünglich zur Straßburger Straßenbahn gehörte, und weiteren Strecken, wie der zuvor befahrenen Kaiserstuhlbahn, die ursprünglich zur Süddeutschen Eisenbahn-Gesellschaft (SEG) gehörte. Diese 11 km lange Strecke wurde erst 2013 im Hinblick auf die geplante Elektrifizierung der gesamten Breisgau S-Bahn unter Fahrdraht gesetzt. In Staufen, dem Betriebsmittelpunkt, zweigten bis 1969 noch Personenzüge nach Sulzburg ab. Reste der Trasse sind noch gut vom Zug aus zu erkennen. In Staufen konnten wir auch den zweiten Elektrotriebwagen (ET 150 und 151) sichten. Irgendwie macht das 160 km/h schnelle Fahrzeug auf dieser Nebenbahn und den nur wenigen durchgehenden Fahrten nach Freiburg einen etwas überdimensionierten Eindruck.

Im einstmals etwas verträumten Endpunkt Obermünstertal, dessen Bahnhof inzwischen zum modernen Umsteigehalt umgebaute wurde, war die geplante fotogerechte Aufstellung und Scheineinfahrt wegen eines Kommunikationsfehlers leider nicht möglich. Hier erläuterte Gerhard Schnaitmann kurz die Modernisierung dieser ersten elektrischen Bahnlinie der SWEG. Auf dem einstmals elektrifizierten Streckenabschnitt Wiesloch Staatsbahnhof – Wiesloch Stadt wurde schon 1955 der Fahrdraht abgebaut, also lange vor Übernahme der SWEG.

Sofern Sie, liebe Leserin oder lieber Leser, mitgezählt haben, folgt nun Zug Nummer 13 an diesem Tage, aber auch die Heimreise Richtung Stuttgart. Mit Umstieg in Bad Krozingen und einem längeren Aufenthalt in Freiburg erreichten wir in einem recht gut besetzten Regionalexpress fast pünktlich Offenburg. Nun wechselten wir zur Schwarzwaldbahn. Die Menschenmassen am Bahnsteig und der zu erwartende gut besetzte RE vom Bodensee machten nicht viel Hoffnung auf einen Sitzplatz. Doch auch hier waren im Steuerwagen dankenswerterweise ausreichend Plätze reserviert.

Ein letzter Umstieg in Karlsruhe Hbf stand noch bevor. Die angesagten 34°C im Schatten waren in der altehrwürdigen Bahnhofshalle noch gut zu spüren. Hier wartete auch eine echte Überraschung auf die Teilnehmer. Mit warmen Würstchen, Brot und Getränken erwartete uns Roslyn und Jörg Schnaitmann samt Nachwuchs am Abfahrtsbahnsteig. So verging auch der letzte Abschnitt unserer Studienfahrt fast schon wie im Fluge. Ein ereignisreicher Tag voller neuer Eindrücke ging zu Ende. Trotz schon rekordverdächtigen Temperaturen und Umsteigezeiten von zwei Minuten verpassten wir keinen Zug. Kein Zug hatte eine nennenswerte Verspätung.

Nun heißt es aber auch, ein großes Dankeschön auszusprechen. Unser Reiseleiter und Organisator Gerhard Schnaitmann hat uns wieder ein Stück unseres „Ländles“ näher gebracht. Viele Teilnehmer waren von den Veränderungen seit der letzten Studienfahrt 2008 überrascht. Ein großer Dank auch an die ganze Familie Schnaitmann für die wie immer hervorragende Verpflegung, die für das sprichwörtliche Salz in der Suppe sorgte.

 

 

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