VERKEHRSFREUNDE STUTTGART E.V.
VERKEHRSFREUNDE STUTTGART E.V.

Sonntag, 19.04.2015 - Das Karlsruher Straßenbahnnetz

Karlsruhe Weinbrennerplatz - alle Aufnahmen: Rüdiger Frey
Karlsruhe - Endstation Durlach-Turmberg

Rückblick von Rüdiger Frey

19.04.2015    Das Karlsruher Straßenbahnnetz – Bereisung der wesentlichen Strecken mit dem neuen Citylink-Stadtbahntriebwagen von Vossloh

Unsere Saisonauftaktfahrt 2015 am 19.04.2015 nach Karlsruhe hatte schon einen Platz unter den Highlights im diesjährigen Verkehrsfreunde-Programm sicher. Nicht weniger als 114 Teilnehmer hatten sich hierzu angemeldet. Während das sogenannte Karlsruher Modell und alles, was damit verbunden ist, früher fast jedes Jahr Thema einer Studienfahrt war, haben die Verkehrsfreunde das Innenstadtnetz in Karlsruhe doch schon einige Zeit nicht mehr bereist. Jetzt waren neue Innenstadtstrecken, die sogenannte Kombilösung und ein neuer innenstädtischer Fahrzeugtyp Grund genug, der Fächerstadt einen Besuch abzustatten.

Bei sprichwörtlichem Verkehrsfreundewetter machte sich die Mehrzahl der Teilnehmer pünktlich um 9 Uhr mit dem IRE 4902 auf den Weg in die ehemalige badische Residenzstadt. Wegen einer geplanten Großdemonstration wurde unser Sonderzug der VBK nach Durlach bestellt, damit hier schon ein bequemerer Umstieg stattfinden konnte. Auf dem Bahnsteig der S-Bahn wurden wir schon von weiteren Teilnehmern erwartet, unter anderem von unserem Ehrenmitglied und ehemaligen Vorstand der VBK, Herrn Dr. Dieter Ludwig. Leider stellte sich nach kurzer Zeit heraus, dass unser Sonderzug fälschlicherweise in der Werkstatt im Betriebshof West statt an der Gerwigstraße bereitgestellt wurde. Das bedeutete nun erst eine Fahrt quer durch Karlsruhe und einen um 45 Minuten verspäteten Fahrtbeginn im Bahnhof Durlach, was der Stimmung aber keinen Abbruch tat. Kurzweilig wurde die Zeit zum Fachsimpeln oder Fotografieren genutzt.

Der erste Eindruck dieses neuen Fahrzeuges war voll und ganz überzeugend. Leider reichten für unsere große Gruppe die 82 normalen Sitzplätze und 25 Klappsitze nicht ganz aus.

Begleitet wurden wir von den beiden TSNV (Treffpunkt Schienennahverkehr Karlsruhe e.V.) Mitgliedern Sebastian Zimmermann und Markus Weineich, ersterer steuerte sicher unseren Zug durch Karlsruhe. Unter fachkundiger Leitung unseres Ehrenmitgliedes und Organisators Gerhard Schnaitmann legten wir die ersten Meter Richtung Innenstadt zurück. Hier übergab er Herrn Uwe Konrath, Geschäftsführer der Karlsruher Schieneninfrastruktur Gesellschaft, die Herrschaft über das Mikrofon.

Aus erster Hand erfuhren nun die Teilnehmer neueste Informationen über den Bau der Kombilösung, also der Untertunnelung der Kaiserstraße zwischen Durlacher Tor und Mühlburger Tor und samt Seitenast in der Ettlinger Straße und Tieflegung der Kriegsstraße. Eindrucksvoll war das ganze Baugeschehen aus der Bahn zu sehen. Besonders der Bereich um den Marktplatz war kaum noch wieder zu erkennen.

Wir bedanken uns bei Herrn Konrath nochmals herzlich, dass er für die Verkehrsfreunde seinen Sonntagvormittag geopfert hat. Nebenher wurden wir von Roslyn und Jörg Schnaitmann am Platz in gewohnter Weise mit einem zweiten Frühstück versorgt. Nun wurden die Ziele Mühlburg, Oberreut, Oststadt und Rintheim angesteuert. Unser Ziel, nahezu alle nicht von der S-Bahn befahrenen innerstädtischen Strecken zu bereisen, kamen wir inklusive einigen nur Betriebszwecken vorgehaltene Abzweige recht nahe.

Nun zum Fahrzeug: NET 2012 ist sein Name und steht für Niederflur Elektrotriebwagen 2012. Es handelt sich um eine Entwicklung der Firma Vossloh. Die bis jetzt 25 bestellten Triebwagen werden bei Vossloh Rail Vehicles im spanischen Valencia hergestellt und montiert. Diese 37,2 Meter langen Einrichtungs-Gelenktriebwagen mit acht Achsen gehören zur Familie des Typs Citylink, die man bei einer Einstiegshöhe von 34 cm zu den Mittelflurwagen zählt. Ähnliche Fahrzeuge dieses Typs beschaffen auch die Nahverkehrsgesellschaft Ferrocarrils de la Generalitat Valenciana (FGV) Alicante, Serveis Ferroviaris de Mallorca, Ferrocarriles de Vía Estrecha in Léon (heute RENFE) und die Straßenbahn im britischen Sheffield. Auch das sächsische Chemnitz wird in den nächsten Wochen Fahrzeuge des Typs Citylink erhalten, diese werden jedoch mit einem zusätzlichen dieselelektrischem Antrieb und unterschiedlichen Einstiegshöhen für Regionalbahnstrecken, ähnlich dem „Karlsruher Modell“, versehen.

In Karlsruhe werden die NET 2012 die Flotte der Duewag/Siemens GT6-70D/N und GT8-70D/N aus den Jahren 1995-2003 verstärken, die aufgrund von geänderten Crash-Normen nicht mehr gebaut werden konnten. Zusätzlich ersetzen sie die letzten GT8 aus dem Hause DWM (ähnlich dem klassischen Duewag-Achtachser) und die beiden ehemaligen AVG Fahrzeuge 124 und 125 des Typs GT8-EP, welche 1975 von der Waggon-Union zur Streckenverlängerung nach Ittersbach geliefert wurden und die Spitznamen „Salatschüssel“ (wegen der ursprünglichen farbenfrohen Lackierung) und „Badewannen“ (wegen der originellen Ellenbogenauflagen) tragen. Längerfristig sollen sie auch die aus dem Jahre ab 1983 stammenden Stadtbahnwagen GT6-80C und GT8-80C ersetzen. Insbesondere die Wagen 501-520, welche noch von der Waggon-Union in Berlin hergestellt und aus dem Stadtbahnwagen B entwickelt wurden, sollen recht zügig ersetzt werden. Hierzu muss der NET 2012 noch nach der Eisenbahn-Bau- und Betriebsordnung (EBO) zugelassen werden. Dann sind auch Fahrten ins Albtal und auf der Hardtbahn möglich.

In Durlach war die Mittagspause angesagt. Unter reger Beobachtung der örtlichen Fahrgäste wurden wir durch das bewährte Team aus Roslyn und Jörg Schnaitmann am Bahnsteig mit Würstchen, Hackbällchen, allerlei Salaten und Getränken versorgt. Auch hierfür nochmals unsere Anerkennung und ein Dankeschön. Nach dem längeren Aufenthalt ging es nun im Zuge der Linie 8 in Richtung der sog. Bergdörfer. In Wolfartsweier mussten wir uns erneut den Linienverkehr abwarten, bevor es über die Europäische Schule in der Waldstadt wieder quer durch die Innenstadt an den Rhein ging.

Unser letztes Ziel war die malerische Strecke nach Rappenwört im Zuge der Linie 6. Schon Daxlanden, ein ehemaliges Fischerdorf, bietet eine ganz andere Atmosphäre als die bisher durchfahrenen Stadtteile. Die nun teilweise eingleisige Strecke durch die Rheinaue zum Rheinstrandbad hat den Charakter einer Überlandstrecke. Auch hier, wie schon zuvor, konnte der TSNV einzelne Fotohalte bei bester Beleuchtung organisieren. In der alten Endschleife in Rappenwört machten wir nochmals eine kurze Pause, bevor es auf direktem Weg zum Hauptbahnhof ging. Hier machten sich dann schon einige Teilnehmer auf den Rückweg Richtung Stuttgart.

Die etwas späteren Heimkehrer ließen den Tag in der uns Verkehrsfreunden bestens bekannten Brauereigaststätte „Burghof“ ausklingen. Mit einem Planzug der Linie 4 ging es zurück zum Hauptbahnhof, von wo aus wir den Regionalexpress Richtung Stuttgart, baustellenbedingt ab Vaihingen/Enz via Schnellbahnstrecke, benutzten.

Wir blicken auf eine gelungene Veranstaltung zurück. Danke möchten wir nochmals unserem Ehrenmitglied Gerhard Schnaitmann und seiner Familie für die Organisation und Verpflegung sagen. Auch der Mannschaft des TSNV möchten wir auf diesem Wege nochmals Lob und Dank ausdrücken, die uns sicher durch Karlsruhe begleitet haben und eine Reihe schöner Fotohalte organisieren konnten.

 

Schloss Gottesaue/Hochschule für Musik
Alte Schleife Rappenwoert, Rheinstrandbad

Verkehrsfreunde Stuttgart e.V.

Druckversion Druckversion | Sitemap
© Verkehrsfreunde Stuttgart e.V.