VERKEHRSFREUNDE STUTTGART E.V.
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Rückblick von Rüdiger Frey

19.03.2016 Einst und jetzt bei der Stuttgarter Straßenbahnen AG dokumentiert mit Aufnahmen aus früher Zeit bis zur Gegenwart, Teil 2 – zusammengestellt von Ulrich    Theurer und Bernd Katz, Referent: Ulrich Theurer

Die Erwartungen waren sicher hoch, nachdem Teil 1 vor fast zwei Jahren noch allen in guter Erinnerung war. Nachdem wir uns damals auf die Innenstadtstrecken beschränkt hatten, folgte nun das Gebiet der heutigen VVS-Tarifzone 20 plus Gerlingen. Dass selbst Mitglieder eigens aus der Schweiz angereist waren und 110 Interessierte anwesend waren, spricht sicher für sich!

Schon das Titelbild, die Haltestelle Pragsattel in vier Betriebszuständen mit einem der legendären GT6 oder der ersten Straßenbahn in Ganzreklame, versprach einen verheißungsvollen Nachmittag. Den Auftakt bildete die nur von 1929 bis1939 betriebene Strecke der Linie 2 vom Westbahnhof zur Charlottenbuche. Kaum ein Stuttgarter dürfte sich noch an diese reine Ausflugsstrecke erinnern. Wenn wir uns nun weiter im Uhrzeigersinn um die Innenstadt bewegen, kommen wir nach Botnang. In der alten Endstelle im Ortskern konnten wir einen DoT4-Zug der Linie 8 sehen. Eindrucksvoll waren auch die Szenen im Bereich der Wielandstraße und der Brücke über die Gäubahn zwischen den Jahrzehnten.

Am Hölderlinplatz meinte man jedoch, dass bei der Bebauung fast die Zeit stehengeblieben ist. Nun folgten wir den Linien 7 und 10 Richtung Doggenburg und Killesberg. Eine Aufnahme des Aachener Tw ASEAG 6101 an der Doggenburg, der sich Ende 1949 zur Erprobung der Stromrückgewinnung in Stuttgart befand, dürfte eine Rarität sein. Malerisch ging es auch damals in der Birkenwaldstraße zu mit einem talwärts fahrenden Gartenschauwagen, der eigens für diese Strecke 1939 beschafft wurde.

Wieder am Pragsattel, sahen wir das nur von 1924 bis1936 betriebene Depot Pragwirtshaus. Anhand den späteren Aufnahmen aus den 1960er Jahren konnte man aber auch sehen, dass der ehemalige Betriebshof noch viele Jahre anderen Zwecken diente. Viel bekannter sind sicher noch die Dienstgebäude entlang der Prag- und Heilbronner Straße. Sie überlebten den Betriebshof um viele Jahrzehnte.

Nun folgten wir der einstigen Städtischen Straßenbahn Feuerbach Richtung Gerlingen. Kaum zu glauben, dass es schon etwas über 25 Jahre her ist, dass die Straßenbahn in Feuerbach von der Oberfläche verschwunden ist. Auch der Betriebshof, die Haltestelle Hochhaus und die Schleife an der Hunsrückstraße kamen nicht zu kurz. Auf dem weiteren Abschnitt Richtung Gerlingen kamen an uns allerhand Raritäten vorüber: der futuristische GT6 Tw 4 am Pfostenwäldle, der glücklose Tazzelwurm 201 samt Beiwagen 1201 am Bergheimer Hof oder der ehemalige Feuerbacher Tw 489 im gerade entstehenden Wohngebiet Giebel.

Gerlingen erreichte man damals noch über eine eingleisige Überlandstrecke, und es wirkte in den Aufnahmen noch sehr ländlich. Man hatte förmlich Angst, dass der 200er Zug der Linie 16 nicht an der Friedhofsmauer hängen blieb. Auch die Szenen um den ehemaligen Betriebshof mit einer Tankstelle zeigten schön den Wandel der Zeit.

Nun folgten die nördlichen Stadtteile Zuffenhausen, Stammheim und Freiberg. In Zuffenhausen konnten wir die Schienenschleiflok 2005 beobachten, wie sie am Kelterplatz Richtung Stammheim abbiegt. Aktuelle Aufnahmen vom Gelände des ehemaligen Betriebshofes und späteren Straßenbahnmuseums verdeutlichten die Bautätigkeiten in diesem Bereich. In Stammheim sahen wir dann noch den Eröffnungszug der ersten Nachkriegsneubaustrecke.

Die 1954 eröffnete Strecke nach Zuffenhausen/Rot war zwar schon fertig gestellt, doch die heutige Haldenrainstraße glich noch einer Wiese, und auch das Hochhaus Romeo war noch eine Baustelle. Dank der noch spärlichen Vegetation gelangen Aufnahmen in der damaligen Endschleife Zazenhausen Bahnhof zusammen mit dem Viadukt. Von Freiberg ging es nun in das ländliche Mühlhausen ins Neckartal hinunter. Man kann sich die damalige Streckenführung kaum mehr vorstellen. Die Fotos zeigten echte Überlandstraßenbahn-Atmosphäre, eingleisig zwischen Wiesen und Gärten. Erst in Münster mit den verschiedenen Streckenführungen rund um das Kraftwerk wurden die Aufnahmen wieder großstädtischer. Hier war besonders der modernisierte KSW-Zug vor der Kulisse der Weinberge am Neckarhang interessant, wo die Trauben des bekannten Cannstatter Zuckerle wachsen.

Die Strecke hoch zum Hallschlag wurde gleich mit mehreren Fotos auf der Altenburger Steige gewürdigt. Auch die Streckenführung an der Wilhelma unter der Eisenbahnbrücke mit zu heute vertauschter Lage von Bahnkörper und Straße war sehenswert. Der Wilhelmsplatz mit seinen vielen Gleisverbindungen war ein eigenes Thema. Heute kann man sich kaum noch vorstellen, wie in den 1970er Jahren Straßenbahnen durch die heute zur Fußgängerzone umgestaltenden Bahnhofstraße zum Wasen fuhren.

Auch die Haltestelle Neckarstation, mit den hier abgestellten Bussen und in langen Reihen aufgestellten Straßenbahnzüge, die auf die Fußballfans warteten, weckte Erinnerungen. Dazwischen waren zwei sogenannte Anderthalbdecker zu sehen. Ein Fahrzeug dieses Typs lernten die Verkehrsfreunde erst im Sommer 2015 in Essen als Fotobus kennen.

Besonders gefiel der Streckenabschnitt nach Fellbach unter einer Allee mit einem Dreiwagenzug mit modernen Stahlwagen des Typs T2 und B2, der Richtung Rohr unterwegs war. Auch die enge Ortsdurchfahrt in Fellbach begeisterte. Nun wechselten wir auf die andere Neckarseite. Am Gleisbauhof in Wagen konnten wir beobachten, wie der nagelneue GT4 Tw 405 aus Esslingen-Mettingen angeliefert und später mit einem T2 zur Hauptwerkstatt nach Ostheim geschleppt wurde.

Auch die Neckarvororte kamen nicht zu kurz. Wegen Unterbrechung der Streckenführung von Hedelfingen nach Obertürkheim setzte die SSB einst eigens Pendeltriebwagen zwischen Hedelfingen und dem Brückenkopf ein. Trotz des Einbaus von Gleisen in die neuen Otto-Hirsch-Brücken wurde hier der Betrieb nach dem Kriege nicht wieder aufgenommen. Interessant war auch die Szenerie in Obertürkheim: Neben einem Obus aus der Eröffungszeit zeigen die Bilder aus der Nachkriegszeit noch den Abzweig zur Esslinger Straßenbahn nach Oberesslingen.

Der Bau der B10 unter der Untertürkheimer Brücke machte einen abenteuerlichen Bauzustand für die Straßenbahn notwendig. Auf einer äußerst schmalen und steilen Konstruktion, welche den Höhenunterschied der Behelfsbrücke ausgleichen musste, überfuhren die Züge der Linien 4 und 13 den Neckar –aus heutiger Sicht sicher nicht mehr vorstellbar. Abschließend bekamen wir noch Fotos der Linie 13 bei der legendären Stuttgarter Schokoladenfabrik Eszet mit der auch heute noch existierenden Gleisverschlingung zu sehen.

Die Strecken auf die Fildern wurden bewusst ausgelassen. Diese beinhalten den 3. Teil dieser Reihe, der hoffentlich nicht lange auf sich warten lässt. Großen Dank möchten wir Ulrich Theurer wie auch Bernd Katz für die Mühe und Arbeit bei der Vorbereitung dieses Vortrags aussprechen. Viele Vergleichsaufnahmen waren nur noch mit großer Mühe aus gleicher oder ähnlicher Perspektive machbar. Dank auch an die weiteren Bildautoren Otto Blaschke, Harald Frank, Jürgen Krantz, Peter Pekny, Joachim von Rohr, Sven Schäfer, Dieter Schlipf und Rainer Vogler, ohne die ein solch abwechslungsreicher Vortrag nicht möglich gewesen wäre.

Verkehrsfreunde Stuttgart e.V.

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