VERKEHRSFREUNDE STUTTGART E.V.
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Mit dem Schienenbus zum Erlebnisbahnhof Amorbach am Samstag, dem 13.06.2015

Rückblick von Rüdiger Frey

Sicher war es für die meisten Teilnehmer kein Neuland. Schienenbus und Westfrankenbahn hatten die Verkehrsfreunde Stuttgart e.V. in den letzten Jahren immer wieder auf ihrem Fahrtenprogramm. In der Kombination war es aber etwas Neues. So ließen sich 40 Teilnehmerinnen und Teilnehmer diese Sonderfahrt auch nicht entgehen. Am Morgen des 13.06.2015 trafen sich schon die ersten Reisehungrigen im S-Bahnhaltepunkt Stuttgart Hbf (tief) zur gemeinsamen Fahrt nach Stuttgart-Untertürkheim. Dort warteten schon weitere Teilnehmer und unsere Verpflegung auf den Sonderzug.

Pünktlich, fast schon etwas zu früh, brummte die den Verkehrsfreunden bestens bekannte Schienenbusgarnitur 798 652 / 998 896 in den Bahnhof. Doch halt! Irgendwie sah der „Ulmer Spatz“ nicht mehr so wie gewohnt aus. Einige Verkehrsfreunde hatten das Fahrzeug schon 1993 bei einem Zwischenstopp im Chiemgau kennengelernt, später dann auch auf der Schwäbischen Alb oder in Hohenlohe. Speziell für die Chiemgaubahn von Prien am Chiemsee nach Aschau wurden diese Fahrzeuge 1987 modernisiert und als einzige Schienenbusse der DB mit der damals aktuellen Nahverkehrslackierung Mint/Türkis/Lichtgrau und dem Schriftzug „Chiemgau-Bahn“ versehen. Nach einem Intermezzo im Bayerischen Wald belebten sie dann viele Jahre als „Ulmer Spatz“ die Schwäbische Alb Bahn. Seit einigen Monaten sind nun die Fahrzeuge wieder im klassischen Rot der DB unterwegs.

Schienenbusgarnitur auf der Chiemgau-Bahn 1987 in Aschau - Aufnahme: Otto Blaschke
. und heute wieder im klassischen Rot in Bietigheim-Bissingen - Aufnahme: Rainer Vogler

Fast pünktlich ging es nun über die „Schusterbahn“ mit herrlicher Aussicht auf den Viadukten über den Neckar und den Feuerbach Richtung Kornwestheim und nach einem Halt in Bietigheim in flotter Fahrt über die Frankenbahn zuerst am Neckar entlang Richtung Heilbronn. Eindrucksvoll aus dieser Perspektive war nicht nur die Durchfahrt durch den 584 m langen Kirchheimer Tunnel. In Bad Friedrichshall Hbf wendeten wir uns Richtung Nord-Ost und folgten der Jagst bis Möckmühl. Ab hier ging es dann entlang der Seckach bis Osterburken weiter.

Neben der schon gewohnten hervorragenden Verpflegung, bekamen wir auch noch allerhand Erläuterungen zur Strecke von unserem Organisator Gerhard Schnaitmann. Einmal mehr möchten wir uns bei ihm für die Reiseleitung, und bei seiner Familie, insbesondere bei unserem Mitglied Jörg Schnaitmann, für die Organisation und die Verpflegung bedanken.

Nach einem Fahrtrichtungswechsel erreichten wir nach einer kurzen Fahrt über die badische Odenwaldbahn in Seckach das Netz der Westfrankenbahn. Schon 2007 konnten wir dieses mit den damals noch vorhandenen NE81 und RS1 bereisen. Nun ging es auf einer für einen Schienenbus typischeren Strecke weiter, der „Madonnenlandbahn“. Mit stetigem Anstieg und vielen Kurven führt die Strecke auf die Höhen des Odenwalds bis Buchen. Über Walldürn und Rippberg, den letzten Bahnhof auf badischem Territorium, erreichten wir am Mittag Amorbach, das Etappenziel für die Verkehrsfreunde. Unser Schienenbus fuhr von hier noch ein Stück weiter nach Miltenberg am Main. Grund dieser Fahrzeugüberführung war der am darauf folgenden Sonntag stattfindende ÖPNV-Tag in Tauberbischofsheim, bei dem der Zug zu Sonderfahrten eingesetzt wurde.

Im „Erlebnisbahnhof Amorbach“ wurden wir von Oliver Kurzendörfer (Mitarbeiter von DB-Regio: Lotse und auch Organisator der Fotomöglichkeiten), und Herrn Zang mit seinen Mannen vom Förderverein Westfrankenbahn begrüßt. Dieser Verein betreibt das Museum. Es war eine unterhaltsame Führung durch das kleine, aber feine Bahnmuseum. Im Freigelände stehen neben einigen Schlafwagen, die hier stationär als Hotel dienen, auch ehemalige Rheingoldwagen und die Lok 218 212-9, besser bekannt als „Udo Lindenberg-Lok“, welche eine Beklebung als „Sonderzug nach Pankow“ ziert. Nach der Führung durch das Museumsgelände stand das Mittagessen auf dem Plan, das teilweise mehr als reichlich ausfiel.

218 212-9 Udo Lindenberg-Lok im Erlebnisbahnhof Amorbach: Aufnahme: Rüdiger Frey
Amorbach - Aufnahme: Rüdiger Frey

Gut gesättigt machten sich die Verkehrsfreunde am Nachmittag wieder auf die Rückreise. Mit einem planmäßigen „Desiro“ der Westfrankenbahn ging es nach Seckach. Ab hier fuhren wir weiter mit der S-Bahn wahlweise bis Mosbach (Baden) oder Mosbach-Neckarelz. Auch war eine Pendelfahrt zwischen den beiden Bahnhöfen zeitlich möglich. Wer den Bahnhof von Mosbach noch aus der Zeit der Schmalspurbahn nach Mudau gekannt hatte, war sicher etwas vom jetzigen Zustand überrascht. Das einstige stattliche Empfangsgebäude wich zur Landesgartenschau 1997 einem recht schmucklosen Haltepunkt. Gleichzeitig wurde dieser 300 m nördlicher, direkt zur Altstadt hin verlegt. Ein kurzer Besuch in der romantischen Fachwerkstadt lohnt sich wirklich.

Um 15:42 Uhr verließen wir dann mit der planmäßigen und eigens für uns mit einem zweiten Wagen verstärkten S41 Mosbach in Richtung Neckarelz. Nach einem Fahrtrichtungswechsel ging es nun durch das Neckartal, vorbei an den noch sichtbaren Resten der einstigen Hauptstrecke nach Meckesheim und dem alten Bahnhof von Neckarelz, welcher schon 1897 seine eigentliche Aufgabe verlor (diese Strecke „erfuhren“ wir in Teilen bei der letztjährigen Saisonabschlussfahrt). In Neckarsulm wechselte unser Zweisystemwagen, der uns ebenfalls noch von der letztjährigen Exkursion bekannt war, ins Gleichstromnetz, und über die Heilbronner Innenstadt erreichten wir den Heilbronner Hauptbahnhof. Ein letzter Umstieg war noch notwendig, bis wir im recht gut besetzten Regionalexpress unseren Ausgangsbahnhof Stuttgart erreichten.

Abschließend unser Dank an alle, die zum Gelingen der Fahrt beigetragen haben, insbesondere auch der RAB (DB ZugBus Regionalverkehr Alb-Bodensee) für die betriebsfähige Aufarbeitung der Schienenbusgarnitur, Herrn Preischl von der RAB für die mustergültige Planung der Fahrt mit Motorwagen voraus bis Osterburken und unserem Hauptorganisator und Ehrenmitglied Gerhard Schnaitmann für diese gelungene Studienfahrt, die aus unserer Sicht mehr Teilnehmer verdient hätte!

Verkehrsfreunde Stuttgart e.V.

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