VERKEHRSFREUNDE STUTTGART E.V.
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Rückblick: Studienfahrt Nordengland – Wales – Isle of Man      vom 09. bis 31.07.2016

Teil 1 von Dr. Peter Hartmann

Sinnvollerweise kann man nur über etwas berichten, das man selbst miterlebt hat. Ich habe, grob gesagt, die erste Hälfte unserer diesjährigen dreiwöchigen Studienfahrt mitgemacht, und die umfasste die Regionen Nordengland (Yorkshire und Lancashire) sowie das nördliche Wales. Etwas pauschal könnte man auch sagen: eine Woche Normalspurbahn einschließlich Straßenbahn und drei Tage Schmalspurbahn sowie zwei Bergbahnen.

Es versteht sich, dass die Transferfahrten auf dem normalspurigen britischen Netz, teils mit Elektro- überwiegend aber mit Diesel-Traktion erfolgten, durchweg übrigens in modernen, komfortablen, sauberen, graffiti-freien und pünktlichen Zügen! Dabei muss ich ehrlicherweise anmerken, dass zum Reisekomfort beträchtlich beigetragen hat, dass unsere Reiseleitung den Gepäcktransport mehrfach durch den Einsatz von (Foto-) Bussen bewerkstelligt hat. Zusammenfassend wäre meine Benotung des aktuellen britischen Eisenbahnwesens 2+ (es gibt immer noch etwas zu verbessern) und, speziell was Pünktlichkeit angeht, deutlich über dem, was wir derzeit in Deutschland erleben. Jedem, der als Tourist die Britische Insel besuchen will, ist die Benutzung der Züge der privaten Eisenbahn-Verkehrsunternehmen sehr zu empfehlen. Wie in der Einleitung bereits angedeutet, kann dieser Rückblick nur kursorische Eindrücke vermitteln, eigentlich mehr Stimmung als Fakten. Dabei gibt der Verfasser gern zu, dass er seit jeher dem englischen Leben gegenüber positiv voreingenommen war und ist.

Während die Teilnehmer, die für die Anreise nach York das Flugzeug gewählt hatten, eine kräftige Verspätung in Kauf nehmen mussten, erreichten die (Gruppen-) Bahnreisenden unser, in der Mitte zwischen London und Edinburgh liegendes, erstes Standquartier, ganz pünktlich. Dafür hatte auch die reichlich eingeplante Umsteigezeit in Brüssel gesorgt.

Auf dem Bahnhof von York und in der Stadt sahen sie sich einem scheinbar unenglischen Volksfesttrubel gegenüber: Es war Pferderenn-Wochenende, die Gewinne wurden offenbar gern in Alkoholisches umgesetzt, und die Damenwelt war schier unglaublich kostümiert – offenbar auch irgendwie „very British“.

Nach einem, dem überwältigenden Nationalen Eisenbahnmuseum und der Stadt York gewidmeten Tag, folgten dann zwei Tage, die sich jeweils um eine Museumsbahn herumrankten: zunächst die North Yorkshire Moors Railway Pickering – Grosmont (– Whitby), danach die in West Yorkshire gelegene Keighley and Worth Valley Railway. In beiden Fällen merkten wir schnell, dass wir unsere deutschen Vorstellungen von Museumsbahnen hier vergessen mussten, denn es handelt sich eigentlich um professionell geführte Touristenbahnen, deren besonderer Reiz darin liegt, dass das ganze Ambiente perfekt die Zeit wiederspiegelt, als hier noch Regelverkehr herrschte. Von den Uniformen der „Bediensteten“ bis zu Reklametafeln, Bahnsteigmobiliar und Gebäuden – alles atmet den Stil einer früheren Zeit. Ich persönlich fühlte mich wie verzaubert, den anderen Teilnehmern (und den vielen einheimischen Fahrgästen) ging es wohl ebenso. Für historische Filme braucht man hier kaum etwas zu verändern. Die Fahrzeuge spiegeln in beiden Fällen die British Rail Epoche der 1950er Jahre wider – vor der Kahlschlagsanierung unter Dr. Richard Beeching und der forcierten Verdieselung. Den Abschluss des zweiten Tages bildete eine Busfahrt entlang der legendären Settle-Carlisle-Strecke der ehemaligen Midland Railway. Trotz eines einstündigen Verkehrsstaus gelangen in Ribblehead noch schöne Fotos von dem fast surrealen Steinbogenviadukt samt Triebwagen in einer wirklich spektakulären Berglandschaft.

Den Standortwechsel von York nach Manchester bewerkstelligten wir standesgemäß mit der Bahn. Auf der Fahrt nach Blackpool durchquerte der Dieseltriebwagen das Penninen-Bergland und berührte eine Reihe von Städten mit früher hoher industrieller Bedeutung wie Leeds, Bradford und Halifax. Es mag dem Chronisten gestattet sein, von dem Seebad Blackpool aus Höflichkeit zu schweigen. Eine weitere Facette traditionellen britischen Urlaubs- und Freizeitgeschmacks liefert es aber allemal, und die Straßenbahn (hochmoderne Gelenkzüge und museale Doppelstocktriebwagen verschiedenster Epochen und Umbauvarianten) ist unbedingt sehenswert. Eine mehrstündige Sonderfahrt mit dem Triebwagen Boston Nr. 66 von 1901 führte über die gesamte 18 km lange Nord-Südstrecke zwischen Fleetwood und Starr Gate, bevor in dem historischen Depot die dort verwahrten Doppelstock-, Einstock- und Sonder-Fahrzeuge mit fachmännischer Erläuterung besichtigt wurden. Wieder mit einem Dieseltriebwagen-Zug gelangten wir nach Manchester, für zwei Nächte unser Quartier.

Für jeden, der an Eisenbahn- und Verkehrsgeschichte interessiert ist, ist diese Keimzelle der ersten industriellen Revolution ein Eldorado, und das Museum of Science and Industry (MOSI) ist die Schatzkammer! Kraftmaschinen und Textilmaschinen seit dem Ende des 18. Jahrhunderts sind in Fülle ausgestellt und werden z.T. auch vorführt. Mit Exponaten wird auch dem berühmten in Manchester einst ansässigen Lokomotivhersteller Beyer-Peacock ein Denkmal gesetzt. Eine ehemalige Markthalle beherbergt Original-Exponate des Flugzeugbaus, der mit Firmen wie AVRO und English-Electric im Raum Manchester bedeutend vertreten war. Hervorragende Beiträge der Universität Manchester zu aktuellen technischen Innovationen werden vorgestellt. Für den Eisenbahnfreund ist es ein besonderes Erlebnis, den ersten Bahnhof der Welt, Empfangsgebäude und Bahnsteig von Manchester Liverpool Street (1830), auf dem MOSI-Gelände zu besichtigen, mag er auch großen Teils restauriert sein. Manchester hat seit 1992 ein modernes Stadtbahnnetz von mittlerweile 93 km Länge, das wir individuell mit Tageskarten er-fahren konnten, nicht zuletzt ist auch der betriebsame Hauptbahnhof Manchester Piccadilly eine Besichtigung wert.

Nun ging es nach Nordwales. Mit der Bahn gelangte unsere Reisegruppe über Chester zunächst in das gemütliche Seebad Llandudno mit seiner viktorianischen Strandpromenade und der Great-Orme-Standseilbahn. Von dort ging es nach Gusto entweder auf der Schiene oder Straße mit einigen Umwegen nach Caernarfon mit seiner trutzigen Burg und malerischer Altstadt. Von der dort endenden Welsh Highland Railway erhaschten wir nur einen kurzen Blick, aber sie sollte uns ja am übernächsten Tag noch ausführlich beschäftigen. So begaben wir uns also erst einmal zu unserem dritten Standquartier in der weiter südlich an der Mündung des Glaslyn-Flusses gelegenen kleinen Hafenstadt Porthmadog.

Die nächsten drei Tage waren der etwas entfernten Mount Snowdon-Zahnradbahn und den beiden in Porthmadog am selben Bahnhof beginnenden 597-mm-Bahnen Welsh Highland Railway und Ffestiniog Railway gewidmet. Leider mussten wir resigniert feststellen, dass der Snowdon seinem Ruf als walisischer Brocken wieder einmal mehr gerecht wurde: Bei Null-Sicht, Regen und Wind war auf dem Gipfel kein längerer Aufenthalt sinnvoll. Weder einige eifrige Verkehrsfreunde noch eine große Schar von Extremsportlern ließen sich aber davon abhalten, den Berg zu Fuß anzugehen: erstere allerdings nur ein Stück, um einen Viadukt mit Dampfzug zu fotografieren, letztere hingegen, um mit den Zügen um die Wette auf den Gipfel zu rennen. Der Ort Llanberis an der Talstation bot aber allen ein interessantes Schiefer-Bergbaumuseum und zudem noch mit der Llanberis Lake Railway ein Dampf-Bähnchen an dem malerischen See entlang.

Die nun folgenden beiden Tage auf der Welsh Highland-Strecke bis Dinas und zurück sowie auf der Ffestiniog-Bahn in das walisiche Bergland zum Endbahnhof Blaenau Ffestiniog und zurück waren für den Verfasser dieser Zeilen trotz anfänglicher Vorbehalte gegen die vermeintlichen „Spielzeugbahnen“ dann aber doch ein absoluter Höhepunkt. Diese beiden Bahnen, sei es unter bahntechnischen, sei es unter landschaftlichen Gesichtspunkten hier angemessen würdigen zu wollen, wäre zum Scheitern verurteilt. Die vielen grandiosen Fotos, die mit den Kameras unserer Fotografen entstanden sind, werden zu einem späteren Zeitpunkt im geplanten Fahrtbericht für sich sprechen und auch denen, die nicht dabei sein konnten, einen begeisternden Eindruck von beiden Linien vermitteln. Dann wird auch deren je ganz unterschiedliche Geschichte zur Sprache kommen. Hier sei nur hervorgehoben, dass die technische Sensation der Welsh Highland Railway die drei dort im Betrieb stehenden, aus Südafrika repatriierten Beyer-Garratt Gelenklokomotiven sind, wogegen der Betrieb der Ffestiniog Railway von den Fairlie-Lokomotiven vom Ende des 19. Jahrhunderts geprägt wird.

Wie auch schon bei den normalspurigen Museumsbahnen erwähnt, sind alle Fahrzeuge genauso eineAugenweide wie die originalgetreu restaurierten Bahnhofsanlagen. Eine derartige historische Touristenbahn kann man natürlich nicht allein mit Ehrenamtlichen betreiben. Die Anzahl hauptamtlich Beschäftigter wurde uns gegenüber mit 60 angegeben, hinzu kommen mehrere hundert Ehrenamtliche. Bezeichnenderweise hat unser Fairlie-Lokführer auf der Welsh Highland Linie seinen Wohnsitz in Heidelberg und kommt als Hobby-Eisenbahner regelmäßig nach Wales. Zu erwähnen ist unser Rundgang durch die Werkstatt beider Bahnen in Boston Lodge bei Porthmadog unter Führung des technischen Leiters beider Bahnen, der die Arbeit an Lokomotiven und Wagen zeigte und (in gut verständlichem Englisch) Antworten auf viele technische Fragen gab.

Abschließend möchte ich auf die unerwartet reizvolle, von geradezu üppiger Vegetation einerseits und kahlen Bergrücken andererseits bestimmte nordwalisische Landschaft hinweisen. Wälder, Bäche, Flüsse und Seen begleiten die Schmalspurbahnen, von denen aus man reizvolle Ausblicke auf Wiesen, Täler und Berge hat. Eigentlich eine ideale Gegend für naturliebende Eisenbahnfreunde – nur leider etwas weit weg von Baden-Württemberg. Vielleicht kommt der eine oder andere doch wieder…

Der Verfasser dieser Zeilen möchte dieses Land jedem Leser ans Herz legen. Für ihn selbst war die Gruppenreise hiernach beendet, und nach einem Blick auf die am weiteren Reiseweg liegende Talyllyn-Schmalspurbahn machte er sich zusammen mit vier weiteren Verkehrsfreunden in einem Planzug von Arriva Trains Wales auf den Weg nach Birmingham. Vor Konrad Müller und ihm lagen noch vier erlebnisreiche Tage in Sheffield, Edinburgh und Nottingham – und eine lange, aber planmäßige Rückreise durch den Kanaltunnel nach Stuttgart. Doch das ist eine andere Geschichte. Sein herzlicher Dank gilt Rainer Vogler, Roland Braun und allen anderen, die mit wirklicher Hingabe diese fantastische Verkehrsfreunde-Fahrt möglich gemacht haben. A Pint of Bitter or Cider to their health!

Teil 2 von Rainer Vogler

Die Talyllyn Railway bildete den Übergang von Wales Teil 1 zu Teil 2. Kurzfristig hatte sich die Gelegenheit ergeben, dort einen Sonderzug zu chartern. Und so war es auch den früher Abreisenden möglich gewesen, einen Blick auf die weltweit erste von Ehrenamtlichen betriebene Museumseisenbahn zu werfen, während alle anderen mit dem Sonderzug die ganze Strecke bereisten. Der Wunsch nach diversen Fotogelegenheiten konnte im Rahmen der betrieblichen Möglichkeiten erfüllt werden, obgleich auch hier ein strenges Reglement galt und auf diese selbstverständlich Rücksicht genommen werden musste. So sind die vielen Ehrenamtlichen, die diese Bahn seit nunmehr 65 Jahren betreiben, doch sehr professionell unterwegs.

Die zweite Bahn, die wir an diesem Tag besuchten, hat eine völlig andere Geschichte: Kein Schiefer oder andere Güter waren ursprünglich zu transportieren, die Fairbourne Railway war von Anfang an eine Touristenbahn und erlebte als solche in ihrer nunmehr 120jährigen Geschichte mannigfaltige Veränderungen. Dazu gehörte auch die 1986 vollzogene Umspurung auf 311 mm Spurweite inklusive Fahrzeugtausch. Die Abfahrt unseres Sonderzuges hatte sich wegen der Verspätung bei der Arriva Trains Wales derart verzögert, dass zwischenzeitlich eine vorzeitige Wende im einzigen Kreuzungsbahnhof erwogen wurde. Da jedoch an jenem Nachmittag alle Arriva-Züge Verspätung hatten, konnte dennoch die ganze Strecke befahren werden. Letztlich war dieser touristische Ausflug der Ausgangspunkt, um entlang der walisischen Küste ein gutes Stück nach Süden weiter zu fahren, um Aberystwyth, unseren zweiten und letzten Übernachtungsort in Wales, zu erreichen.

Die Stadt am Meer mit ihrer Promenade und einer bemerkenswerten Standseilbahn, ist Ausgangspunkt der Vale of Rheidol Railway, der letzten von British Railways mit Dampflokomotiven betriebenen Strecke. Seit 1989 ist sie privatisiert und setzt die Geschichte der von Anfang an als Touristenbahn betriebenen Bahn erfolgreich fort. Für die Verkehrsfreunde wurde ein Sonderzug bereitgestellt, der deutlich früher als die Regelzüge startete und so unterwegs Fotohalte mit Scheinfahrten ermöglichte. Dies überraschte die meisten Teilnehmer sehr, dazu die professionelle Art und Weise wie sie durchgeführt wurden.

Bei der am folgenden Tag besuchten Welshpool & Llanfair Light Railway fanden wir wieder eine klassische Museumseisenbahn vor: Die stillgelegte und abgebaute Schmalspurbahn wurde kurz darauf im Verlauf von Jahrzehnten wieder fast vollständig aufgebaut, originale Dampflokomotiven wurden aufgearbeitet – und am Tag unseres Besuchs war der Zug unterwegs, mit dem die Bahn einst größte Aufmerksamkeit erregte: Aufgrund der für die Britischen Inseln ungewöhnlichen Spurweite von 762 mm fand sich für die junge Museumsbahn kaum rollendes Material. So wurde 1963 mit österreichischen Fahrzeugen der Betrieb aufgenommen. Zuglok war nun allerdings eine der originalen Lokomotiven und keine Österreicherin. Mitfahrt und/oder Parallelfahrt im Fotobus wurden angeboten und reichlich genutzt und dementsprechend wurde zwischen den Verkehrsmitteln gewechselt. Zum nächsten Übernachtungsort im englischen Shrewsbury ging es schließlich in Planzügen der Arriva oder im Fotobus, der auch gleichzeitig unser Gepäckbus war. Shrewsbury wurde „nur“ als Übernachtungsort gewählt, hätte aber nach seiner Geschichte und seinem Stadtbild mehr Aufmerksamkeit verdient.

Von hier aus erreichten wir die einzige regelspurige Museumsbahn von Wales per Bahn und Bus: die Llangollen Railway. Wir erkundeten sie nach dem schon öfters auf dieser Studienfahrt praktizierten Schema: Mitfahren und/oder mit dem Fotobus parallel fahren. Zusätzlich konnten die Werkstätten der Bahn besucht werden. Die Bezeichnung „Werkstatt“ ist hier jedoch reichlich untertrieben. Neben der Durchführung von umfangreichen Unterhaltsarbeiten werden hier derzeit vier Dampflokomotiven neu gebaut! Die Anzahl der von alten Maschinen stammenden Bauteile ist sehr überschaubar. Bemerkenswert ist bei dieser Bahn auch, dass sie einen Inselbetrieb darstellt. Die einst von Ruabon bis an die Walisische Küste führende Strecke wurde auf 16 Kilometern Länge wiederaufgebaut, typischerweise mit allen Details aus der „guten alten Zeit“. Von dieser touristisch sehr wichtigen Bahn ging es noch zu einem bemerkenswerten Bauwerk an der Strecke Shrewsbury – Chester, zum Cefn Mawr Viadukt, der sich gerade noch in Wales befindet. Die angestrebte Beobachtung einer Zugüberfahrt war leider für einige nicht möglich. Letztlich nutzten viele die angebotene Rückfahrt nach Shrewsbury mit dem Zug und konnten sich dort noch etwas länger mit der historischen Stadt beschäftigen.

In Shrewsbury trennten sich am Folgetag die Wege der Fahrtteilnehmer: Während sich einige auf den Heimweg machten, ging es für den größeren Gruppenteil über in den vierten Programmteil, den Besuch der Isle of Man. Obgleich das Ziel eher unbekannt und exotisch war – eine erfreuliche Zahl von 26 Teilnehmern nahm den Weg zu der kleinen Insel mitten in der Irischen See auf sich. Die Überfahrt mit dem Katamaran von Liverpool nach Douglas war ruhig und flott. Die ersten drei Tage waren von unserem Bekannten Ian Hastie organisiert worden, der mit seiner Gruppe seit mittlerweile 15 Jahren die Bahnen der Insel mit den unterschiedlichsten Fahrzeugen bereist. Den Auftakt bildete eine Fahrt auf den höchsten Berg der Insel, den Snaefell. Doch wie schon beim Besuch des Snowdon, gab es auch hier praktisch keine Sicht, alles war in Wolken. So ging es rasch wieder hinunter und zum zweiten Programmpunkt, dem Besuch der Groudle Glen Railway, einer wiederauferstandenen Ausflugsbahn an der östlichen Steilküste der Isle of Man. Zu deren 120. Geburtstag hatten die Betreiber die zweite originale Dampflokomotive vom Museum in Amberley mit Namen „Polar Bear“ auf ihre Stammstrecke gebracht. Und so konnten beide originale Lokomotiven ausgiebig im Einsatz erlebt werden.

Der zweite Tag war der Dampfeisenbahn gewidmet. Extra für diesen Tag und das in der zweiten Wochenhälfte öffentliche Eisenbahnprogramm wurde die Lokomotive Nr. 8 „Fenella“ gedreht, um so die eine oder andere neue Fotogelegenheit zu schaffen. Mit den beiden Gruppen zusammen gelangen die Fotoaktionen eher mühsam, aber alleine das Erlebnis der nunmehr weit über 100 Jahre alten Lokomotive aus dem Hause Beyer Peacock und der nur wenig jüngeren Personenwagen glich hier Vieles wieder aus. Am folgenden, dritten Tag stand die Strecke der Manx Electric Railway im Mittelpunkt des Interesses. Das Tagesprogramm sah drei verschiedene Sonderzüge vor. Angesichts des etwas besseren Wetters als am ersten Tag, nutzten einige die Chance, mit der Snaefell Mountain Railway doch noch den Berg mit Aussicht zu besuchen. Auf der anderen Seite hielten uns die Sonderzüge auf der elektrischen Überlandbahn in Atem. Mit Stangenstromabnehmern ausgestattet, rumpelten die über 100 Jahre alten Triebwagen über eine Strecke mit nicht immer idealer Gleislage, die weitgehend entlang der Ostküste entlang führt. Auch hier stand neben Fotografiermöglichkeiten das Bahn-Erlebnis im Vordergrund: Diese und die Bergbahn sind schlicht einmalig und führten den Fahrgast in die Zeit der Jahrhundertwende zurück. Nach drei erlebnisreichen Bahntagen auf der Isle of Man traten fast alle die Heimreise an, jedoch nicht ohne noch einmal mit der gerade noch im Frühjahr vor der Stilllegung geretteten Pferdebahn die Promenade von Douglas befahren zu haben. Schließlich waren noch sechs Teilnehmer für den zweiten Teil des Inselprogramms übriggeblieben.

Die Bahnen auf der Isle of Man konnten im Rahmen des offiziellen „Manx Heritage Transport Festival 2016“-Programms noch einige weitere Programmvarianten zu dem bislang erlebten bieten. So nahmen wir bei der Dampfeisenbahn an einem Abend ein Abendessen im Speisewagen-Zug ein, und auf der elektrischen Überlandbahn kamen beispielsweise Garnituren mit Postwagen zum Einsatz. Eine besondere Freude bereitete der Einsatz des einzigen einsatzfähigen Doppelstockwagens bei der Pferdebahn, die 2016 ihr 140jähriges Jubiläum begeht. Unter der Obhut der Regierung ist der Betrieb für weitere zwei Jahre gesichert, danach wird erneut über die Zukunft dieses einmaligen Verkehrsmittels entschieden. Ergänzt wurde das Angebot durch eine Rundfahrt mit einem historischen Doppelstockbus, der die Teilnehmer zu ausgesuchten Punkten an stillgelegten Eisenbahnstrecken brachte.

Schließlich hieß es doch auch wieder Abschied nehmen von der liebenswürdigen Insel und ihren Bahnen aus längst vergangener Zeit. Übers Meer mit Zwischenstation in Liverpool oder per Flugzeug erreichten wir wieder heimatliche Gefilde, geradezu überschüttet von Eindrücken und Erlebnissen.

Am Ende waren drei Wochen Programm geboten worden – zwei durch die Verkehrsfreunde organisiert und eine auf der Isle of Man, bei der wir als Gäste teilnahmen. Wir lernten eine Bahnvielfalt kennen, die es wohl nur auf den Britischen Inseln geben kann, und wo das besondere Verhältnis zur Vergangenheit dazu führt, dass so viel wie möglich bewahrt wird, um es den nachfolgenden Generationen lebendig vorführen zu können. Das Erlebnis der britischen Museumseisenbahnen mit ihrer jeweiligen besonderen Umgebung und ihrer Detailverliebtheit lädt zu einem erneuten Besuch ein – wann auch immer sich wieder ein Anlass dafür findet.

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